Sprechstunde

Kann der Vater meiner Kinder das Sorgerecht erzwingen?

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Maren S. aus Charlottenburg fragt:

Meine Zwillinge sind jetzt vier Jahre alt. Mit dem Vater der Kinder bin ich nicht verheiratet. Er ist Oberarzt an einer Klinik, wo ich tätig war, und wesentlich älter als ich. Der Mann wollte auf keinen Fall heiraten. Nun ist er vor kurzem ausgezogen, weil er eine andere Freundin hat. Er kämpft jetzt um die Kinder. Er sieht sie auch regelmäßig. Anfangs wollte er das Sorgerecht nicht haben, weil ihm das zuviel Verantwortung gewesen wäre. Jetzt verlangt er von mir, dass ich ihm die elterliche Sorge einräume. Kann ich das verhindern?

Nur Eltern, die miteinander verheiratet sind, üben automatisch gemeinsam die elterliche Sorge für ihre Kinder aus. Andernfalls gibt es diese Automatik nicht. Nur die Mutter hat von Geburt an die elterliche Sorge. Unverheiratete Eltern können, wenn sie sich einig sind, die elterliche Sorge für ihre Kinder gemeinsam übernehmen. Die Eltern gehen dafür zu einem Notar oder zum Jugendamt und lassen eine Sorgeerklärung beurkunden. Damit werden sie unwiderruflich und auf Dauer gemeinsam für die Kinder verantwortlich. Diese Sorgeerklärung kann schon vor der Geburt des Kindes beurkundet werden, aber auch zu jedem späteren Zeitpunkt, bis das Kind erwachsen ist. Eine Sorgeerklärung kommt aber nur dann zustande, wenn beide Eltern sich einig sind. Wenn Sie das nicht wollen, dann ist dem Vater der Weg versperrt.

Nach der Gesetzeslage, die bis vor kurzem gegolten hat, hätten Sie alleine die Entscheidung, ob Sie dem Vater die elterliche Sorge mit übertragen oder nicht. Das gilt nun nicht mehr. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat vor einiger Zeit entschieden, dass für den Vater unzumutbar ist, wenn er bei der Entscheidung über die gemeinsame elterliche Sorge vom Willen der Mutter abhängig ist. Es muss auch eine Möglichkeit geben, gegen den Willen der Mutter die gemeinsame elterliche Sorge zu erstreiten. Deshalb ist eine gesetzliche Neuregelung in Vorbereitung, die vermutlich noch in diesem Jahr in Kraft treten wird. Danach wird der Vater auch dann die gemeinsame elterliche Sorge beantragen können, wenn Sie dabei nicht mitwirken.

Nach der neuen Gesetzeslage kann der Vater beim Familiengericht den Antrag stellen, dass ihm die elterliche Sorge gemeinsam mit der Mutter übertragen wird. Nichteheliche Väter, die einen solchen Antrag stellen, werden in den meisten Fällen Erfolg haben. Das Gericht muss dem Antrag des Vaters im Normalfall stattgeben. Das Gericht muss den Einzelfall nur dann prüfen, wenn die Mutter sich gegen den Antrag wehrt und sie geltend macht, dass durch die gemeinsame Sorge das Wohl ihrer Kinder gefährdet wäre. Normalerweise bedeutet die Mitverantwortung und Mitsorge des Vaters keine Gefahr. Deshalb werden die Gerichte in den meisten Fällen zugunsten des Vaters entscheiden.

Wenn der Vater Ihrer Zwillinge sich regelmäßig um seine Kinder kümmert, seit er ausgezogen ist, wird er voraussichtlich in einem gerichtlichen Verfahren die elterliche Sorge zusammen mit Ihnen zugesprochen bekommen. Deshalb empfiehlt es sich zu überlegen, ob Sie es auf den Streit ankommen lassen wollen oder ob Sie nicht besser im Interesse Ihrer Kinder gemeinsam mit dem Vater eine Sorgeerklärung abgeben.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht