Geldtipp

Wer am Trinkgeld spart, der spart am falschen Ende

Es ist und bleibt wohl das berühmteste Trinkgeld aller Zeiten: Ein Polizist aus New York gab 1984 drei Millionen Dollar "Tip" für einen Teller Nudeln.

Allerdings nicht in bar - sondern in Form eines Lottoscheins. Als der Amerikaner mit seinem Tipp auf die Zahlen tatsächlich sechs Millionen Dollar gewann, gab er die Hälfte ab. Spleenig genug, um die Geschichte Jahre später in Hollywood zu verfilmen.

Vielleicht auch, weil wir tagtäglich vor der Frage stehen, ob und wie viel Trinkgeld wir geben sollen. In Deutschland gelten fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrages als angemessen. Dabei wird es aber nicht als Beleidigung empfunden, wenn ein Kunde - sei es in Taxi, Café oder beim Friseur - mehr gibt. Gedacht ist es heute, um zu signalisieren, dass man mit dem Service zufrieden ist.

Entwickelt hat sich unser Trinkgeld aus "Trinckgelt": Wer es sich im Mittelalter leisten konnte, gab es gerne. Es machte den überlegenen sozialen Status deutlich und zeigte, dass man es sich leisten konnte, auch anderen mal ein Glas zu spendieren.

Selbstlos war Trinkgeld also nicht. Ist es auch heute nicht. Kunden erwarten in der Regel eine besonders zuvorkommende Behandlung. Aus gutem Grund hat sich das Wort "Tip" aus der Abkürzung "t.i.p." entwickelt ("to insure promptitude"). Bei uns würde man sagen: "Um sich eine prompte Bedienung zu sichern". Derer kann sich der New Yorker Cop in seinem Stammlokal gewiss sein.

( got )