Ratgeber

Kann ich trotz Psychotherapie Lehrer werden?

Ich (22) studiere auf Lehramt. Leider habe ich schon seit längerem psychische Probleme und würde gern eine Therapie machen. Aber ich traue mich nicht, weil ich Angst habe, dass eine Psychotherapie einer Verbeamtung im Weg steht. Oder erfährt mein zukünftiger Arbeitgeber gar nichts davon?

Julia S., per E-Mail

Diese Frage wird Psychotherapeuten nicht nur von angehenden Lehrern, sondern auch von anderen Berufsgruppen gestellt. Die Angst, sich nach einer psychotherapeutischen Behandlung die berufliche Karriere zu verbauen, ist groß und belastet zusätzlich.

Körperliche Probleme und Krankheiten sind gesellschaftlich akzeptierter als psychische Probleme. Letzteren werden in der Regel ungerechtfertigt deutlich schlechtere Heilungsaussichten und eine beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit unterstellt.

22-Jährige befinden sich in einer Schwellensituation im Übergang zum Erwachsenensein - die Entwicklung ihrer psychosexuellen Rolle in zukünftigen Lebenspartnerschaften und das Studium/die Ausbildung für den Beruf können von erheblichen Konflikten, Krisen und zeitweisen psychosomatischen Beschwerden geprägt sein.

Psychotherapeuten können in der Regel nach fünf probatorischen Sitzungen differentialdiagnostisch einschätzen, ob die "längeren psychischen Probleme" z.B. andauernde, sich immer wieder aktualisierende Entwicklungskonflikte sind, deren Klärung mit Psychologen und/oder Pädagogen in einer Beratungsstelle vorgenommen werden sollten - oder ob es sich bereits um psychische und psychosomatische Beschwerden mit (beginnendem) Krankheitswert handelt. Dann kann die Indikation für oder gegen eine krankenkassenfinanzierte psychotherapeutische Behandlung gestellt werden.

Ihre Ängste vor den negativen Konsequenzen einer Psychotherapie sind ernst zu nehmen, sollten aber der Aufnahme einer indizierten Behandlung nicht im Wege stehen.

Nach dem Staatsexamen bzw. nach Abschlussprüfungen erhalten alle Bewerber Personalfragebögen und Gesundheitsfragen vorgelegt. Sie können sich dann konkret z.B. mit Rechtsanwälten zur Beantwortung beraten und ggf. Ihren behandelnden Psychotherapeuten bitten, Sie zu informieren, wenn der Arbeitgeber Stellungnahmen bei ihm anfordert. So schützen Sie sich und können sich gut auf das Bewerbungsverfahren einstellen.

Morgen berät Sie Dr. Heidemarie Arnhold zu Erziehungsfragen. Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an: familie@morgenpost.de