Ratgeber

Hat unser Sohn einen Anspruch auf eine Regelschule?

Unser Sohn Mati (6) hat das Down Syndrom. Wir möchten ihn gern auf eine Regelschule schicken. Doch die Schulen, die wir bisher gesehen haben, nehmen ihn entweder nicht auf, oder es fehlt an ausgebildetem Fachpersonal. Wir sind verzweifelt. Haben wir nicht ein Recht darauf, dass unser Sohn in eine Regelschule geht?

W iebke R., Steglitz

Seit 2011 haben Eltern das Recht, Kinder mit besonderem Förderbedarf auf eine Regeschule zu schicken. Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischen Förderbedarf können gemeinsam mit Kindern ohne Förderbedarf in einer Regelschule lernen. Das Integrationskonzept ist zwar "politisch abgesegnet", scheint aber noch lange nicht in den Berliner Schulen angekommen zu sein. Denn stimmen die Rahmenbedingungen nicht, greift auch das beste integrative Konzept nicht.

Machen Sie Ihre Entscheidung vom Wohl und den Bedürfnissen Ihres Kindes abhängig und nicht so sehr von der Schulform. Es gibt sowohl gute Förderschulen als auch Regelschulen mit gutem Inklusionskonzept. Achten Sie bei den Regelschulen darauf, dass die Rahmenbedingungen gegeben sind. In Berliner Regelschulen mit integrativem Ansatz mangelt es oft an der personellen Ausstattung von spezialisierten Fachkräften. Sind die Klassen zu groß und fehlt geschultes Personal, ist eine individuelle Förderung Ihres Kindes nicht gewährleistet. Sind jedoch Sonderpädagogen vor Ort, die in kleinen Klassen, auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen, oder ein Integrationshelfer, der Ihr Kind begleitet, ist das integrative Schuldmodell der Förderschule auf alle Fälle vorzuziehen. Kinder mit und ohne Handicap haben die Chance, gemeinsam von- und miteinander zu lernen. Eine Förderschule kann ebenfalls eine Lösung sein. Sie verfügen über geschultes Personal und jedes Kind wird individuell gefördert. Besuchen Sie auf alle Fälle verschiedene Schulen und informieren Sie sich ausgiebig. Es ist wichtig, dass Sie unterschiedliche Alternativen ansehen. Im Mittelpunkt Ihrer Überlegungen sollte das Wohl Ihres Kindes stehen, nicht die Schulform.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)