Sorgerecht

Kontaktstelle berät binationale Partner bei Streit über Sorgerecht

Rund 150 Mal pro Jahr passiert es in Deutschland, dass sich ein Elternteil nach dem Scheitern einer binationalen Partnerschaft mit dem Kind in seine Heimat absetzt.

- Eine vom Bund finanzierte Kontaktstelle bietet Hilfe. Die Juristin Svenja Gerhard vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Frankfurt am Main erzählt etwa von einem deutsch-amerikanischen Fall, bei dem der Vater den einjährigen Sohn mit in die USA nahm, bis heute dort mit ihm lebt. Die Mutter habe zuerst unter Schock gestanden. "Doch trotz dieser tiefen Verletzung konnte sie sich nach einiger Zeit überzeugen, dass ihr Mann sich wunderbar um das Kind kümmert." Durch Mediation einigte sich das Paar außergerichtlich.

So einvernehmlich läuft es jedoch selten ab. "Häufig geht es bei diesen Konflikten um Machtfragen", erläutert Gerhard. Besonders kompliziert seien Fälle, in denen Kinder in islamische Länder mitgenommen werden, sagt Gabriele Scholz, Leiterin der Zentralen Anlaufstelle für grenzüberschreitende Kindschaftskonflikte in Berlin. Im arabischen Raum herrsche das Verständnis vor, dass grundsätzlich der Vater über den Aufenthalt eines Kindes entscheidet. Eine solche Haltung sei schwer mit dem westlichen Rechtsverständnis zusammenzubringen. Allerdings handelt es sich laut Gerhard überwiegend um einen Kindesentzug ins europäische Ausland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hatten von 678.000 Kindern, die 2010 in Deutschland zur Welt kamen, rund 83.500 binationale Eltern. Wenn die Furcht eines Elternteils vor einem Kindesentzug begründet ist, kann im Eilverfahren das alleinige Sorgerecht beantragt werden. "Man kann auch die Geburtsurkunden der Kinder außerhalb des Hauses verstecken", sagt Gerhard.

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