Beate Jankowiak

Mutterglück mit Fünfzig

Beate Jankowiak dachte, es seien die Wechseljahre - und bekam Zwillinge. Sie erzählt über das Leben mit zwei kleinen Nachzüglern

- Milla (4) kann gar nicht so schnell lecken, wie ihr Eis tropft. Drei große Flecken hat sie bereits auf ihrem Sommerkleid. Ihre Mutter greift zum Taschentusch. "Hat ja fast die gleiche Farbe wie das Kleid", sagt sie entspannt und wischt über die klebrigen Flecken. "Kommt heut Abend gleich in die Waschmaschine." Beate Jankowiak (54) ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Sie lacht und sagt: "So ist das eben bei alten Müttern."

In Deutschland bekommen die Frauen immer später Kinder. In den 60er-Jahren lag das Durchschnittsalter der Mütter noch bei 25 Jahren. Heute sind die meisten Frauen bei der Entbindung etwas älter als 30, rund ein Viertel der Frauen sogar über 35 Jahre alt. In der vergangenen Woche lüfteten Gastro-König Joseph Laggner (45, "Lutter & Wegner)" und seine Frau Isabella Baronin von Schorlemer (54) dann ein ganz besonderes Geheimnis: Sie werden Eltern. Isabella Baronin von Schorlemer, die breits zwei erwachsene Kinder hat, ist im siebten Monat schwanger. Ihr und dem Baby geht es gut. "Ein Gottesgeschenk", sagte sie in den letzten Tagen einer Zeitung.

Muss das sein?

Auch Beate Jankowiak war 50 Jahre alt, als ihre Zwillinge Lilith und Milla auf die Welt kamen. "Eigentlich war meine Familienplanung längst abgeschlossen", sagt sie. Ihre vier Töchter waren damals 23, 20 und 17 Jahre alt, Nesthäkchen Olmo gerade zwölf. Ihr Mann Thomas glaubte, nach einer Krankheit zeugungsunfähig zu sein. Und so dachte sie sich erst einmal auch gar nichts, als kleinere Beschwerden einsetzten. Leichte Übelkeit, dann bekam Beate Jankowiak keinen Wein mehr runter, war schnell erschöpft. "Ich dachte, das sind bestimmt die Wechseljahre", sagt sie. Doch auf dem Ultraschall beim Frauenarzt sah sie dann zwei kleine Herzchen pochen. "Das war natürlich ein Schreck", erinnert sich die Berlinerin heute. Aber trotzdem gab es keine einzige Sekunde lang einen Zweifel daran, dass sie die Zwillinge bekommen wollte. Und das, obwohl die Reaktionen in ihrem Umfeld sehr durchwachsen waren. Immer wieder wurde sie gefragt: Willst du die nicht wegmachen lassen? Muss das noch sein, in deinem Alter? Auch die großen Kinder waren zunächst nicht begeistert. "Vor allem die Älteste hatte Angst, dass die Schwangerschaft zu anstrengend für mich sein könnte", sagt die sechsfache Mutter. Und auch ihr Mann zweifelte zunächst, fürchtete "dass wir das nicht packen". Aber Beate Jankowiak ist keine Frau, die sich so leicht verunsichern lässt. "Das war zwar so nicht geplant. Aber nun war ich ebenschwanger. Und wollte diese Kinder auch bekommen."

Vier Jahre ist das jetzt her. Milla und Lilith sind quirlige Kindergartenkinder. Sie halten ihre Eltern und die großen Geschwister ganz schön auf Trab - und jung. Schwimmen gehen, Rad fahren, auf dem Spielplatz toben. "Wir haben immer ein volles Programm", sagt Beate Jankowiak, die außerdem auch noch den Catering-Service "Elses Leibspeisen" betreibt.. Und sie möchte sich diese Zeit mit den Kindern auch ganz bewusst nehmen, sie ist ihr wichtig. "Nur manchmal spüre ich, dass ich eine Pause brauche, dass ich schneller erschöpft bin als mit 30", sagt sie. Aber darauf könne man sich ja einstellen.

Dafür, so Beate Jankowiak, sei sie heute viel ruhiger und könne den Kindern ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. "Als junge Mutter hat man noch so viele andere Sachen im Kopf", sagt sie, "da muss man auch noch an seine Karriere denken und erst einmal richtig Fuß fassen." Die Zeit, die sie jetzt mit den beiden Mädchen verbringt, bezeichnet sie als "großen Gewinn". "Meine erwachsenen Kinder sind manchmal ein bisschen eifersüchtig und beschweren sich halb scherzhaft, dass sie in dem Alter solche Sachen nicht gedurft hätten", sagt Beate Jankowiak und lacht.

Anfangs, so erzählt sie, habe es sie manchmal sehr getroffen, wenn andere Mütter auf dem Spielplatz zu Lilith und Milla Sachen sagten wie: Fragt doch mal eure Oma, ob ihr auch ein Gummibärchen haben dürft. "Ich findes das zwar immerbnoch doof, aber mittlerweile stehe ich da0 über den Dingen, lächle freundlich und sage nichts weiter dazu. Solche Sachen verletzen mich heute nicht mehr." Zu schwer wiegt das Glück, das ihre Zwillinge in ihren Alltag mitbringen. "Ich würde mich immer wieder so entscheiden wie vor vier Jahren", sagt Beate Jankowiak. "Es war absolut richtig." Mit Lilith und Milla ist die Familienplanung von Beate Jankowiak aber nun definitiv abgeschlossen. Sie lacht und sagt: "Ich warte jetzt auf meine Enkelkinder."