Ratgeber

Warum ist mein Sohn (7) immer noch nicht trocken?

Unser siebenjähriger Sohn macht immer noch mehrfach pro Woche ins Bett. Ich bin verzweifelt, was können Sie zur Behandlung empfehlen? Karin T. , Dahlem.

Nächtliches Einnässen ist für viele Eltern und Kinder sehr belastend. Und es handelt sich um ein häufiges Problem: Etwa 10 Prozent aller Siebenjährigen sind betroffen, pro Jahr werden davon 15 Prozent ganz von alleine trocken. Die Gründe sind meist harmlos, aber pädagogische Maßnahmen und eingreifende Untersuchungen können unnötigen Stress verursachen. Zum Arzt gingen deswegen in einer englischen Studie übrigens nur ein Drittel der Familien.

Zunächst sind wenige orientierende Fragen wichtig: Hat das Kind tagsüber eine gute Blasenkontrolle? War es schon einmal für mindestens 6 Monate überwiegend nachts trocken? In diesen Fällen ist eine organische Ursache praktisch ausgeschlossen und weitere körperliche Abklärung nicht erforderlich. Relevante psychische Belastungsfaktoren, Ängste oder Verhaltensstörungen bestehen bei 40 Prozent der Betroffenen - sei es als Ursache oder Folge. Bei gleichzeitigem Einnässen auch am Tag liegen häufig nicht-organische Störungen der Blasenfunktion vor, die mit gestörter Stuhlentleerung kombiniert sein können. Kinder mit angeborenen Harnwegs-Fehlbildungen, neurologischen oder Nieren-Erkrankungen fallen dagegen durch Blasenentzündungen und andere Symptome auf, diese Formen sind insgesamt selten.

Also erst mal überhaupt kein Grund zur Verzweiflung, bei Ihrem Sohn entwickeln sich wahrscheinlich die Steuerung von Blasenkontrolle und Urinproduktion einfach etwas verzögert. Mit einem einfachen Trink- und Urin-Protokoll lässt sich ein Überblick gewinnen, und als erste Maßnahmen haben sich regelmäßiger Toilettengang am Tag sowie Flüssigkeitseinschränkung zwei Stunden vor dem Zubettgehen bewährt. Wenn alle Beteiligten die nötige Motivation und Geduld aufbringen, kommt auch eine Verhaltenstherapie mit Unterstützung durch Alarmsysteme in Frage. Deren Ansprechen wird innerhalb von 1-2 Monaten sichtbar, die langfristige Erfolgsrate liegt etwa bei 50 Prozent. Im Internet gibt es dazu zum Beispiel Informationen und Tipps einer interdisziplinären Expertengruppe unter www.kontinenzschulung.de.

Privatdozent Dr. Michael Barker ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Emil von Behring