Mamas & Papas

Der effektive Geburtstag

Bei uns stehen im Mai zwei Kindergeburtstage an. Inzwischen hat die Zahl der Gäste jeweils die Zehn-Kind-Grenze gesprengt. Noch vergangenes Jahr galt die Faustregel: So viele Gäste wie das Kind alt wird. Doch nun klappt das nicht mehr. Alle Versuche, die Zahl zu bändigen, scheitern. Unsere Kinder kommen mit allem durch. Die große Gästeschar bringt natürlich einen Riesenvorteil: Man kriegt als Geburtstagskind noch mehr Geschenke als sonst. All die Päckchen und Pakete, die begeistert aufgerissen werden - etwas zum Zusammenbauen, Lesen, Hören, Spielen, unter großem "Ah" und "Oh" aller Gäste.

Die Kinder lieben es aber nicht nur, beschenkt zu werden, sondern auch das Schenken. Sie sind stolz auf ihre Geschenke, das Aussuchen übernehmen sie selbst. Meistens liegen sie richtig, selbst wenn ich im Laden noch die Augen verdrehe ("Du willst wirklich diesen hässlichen Plastikdachen verschenken?"). Doch seit einiger Zeit wird den Kindern die Entscheidung immer öfter abgenommen. Im Spielzeugladen wartet der vorgepackte Geschenkekorb.

Den stellt das Geburtstagskind vorher selbst zusammen. Viele Eltern preisen den Geschenkekorb: Er sei doch so praktisch. Doppelgeschenke würden vermieden, Geschenke, die das Kind nicht mag. Effektiv, oder?

Ich kann diese Körbe nicht leiden. Zum siebten Geburtstag bekam meine Tochter ein knallrosa Schreibtischset - kein Geschenk konnte unpassender sein, sie hasst rosa. Sie hat weder das Geschenk noch diesen Geburtstag jemals vergessen, beides hat sich ihr eingebrannt. Ist das schlimm? Überhaupt nicht. Das gehört doch zum Leben: Mal kriegt man etwas, das man schon hat; mal etwas, das man nicht mag. Nächstes Jahr kommt wieder ein Geburtstag, dann läuft es bestimmt besser.

In diesen Zeiten der Effektivität steht man also im Spielwarenladen, blickt in den trostlosen vorgepackten Geschenkekorb und darf sich zwischen Slimey und einem Anspitzer mit Musik entscheiden. Und damit nicht genug. Es gibt jetzt einen neuen Trend, der den Geschenkekorb toppt. Das Sammelgeschenk! Alle Kinder legen zusammen, etwa für einen schicken neuen Schulrucksack. Wenn jeder zehn Euro gibt, ist das Ding bald gekauft. Das nenne ich super-effektiv.

"Und was soll mein Kind in der Hand halten, wenn es zum Geburtstag geht?", hörte ich neulich eine Mutter vor besagtem Rucksack irritiert fragen. Darauf die Spielwarenverkäuferin: "Ja, ich weiß -Kinder bringen gern was mit. Wir haben deshalb ein paar Kleinigkeiten in einen Geschenkkorb gepackt..." Und schob einen Korb mit Jojos und Radiergummis rüber. Wenn das so weitergeht, verschenken wir bald zum Kindergeburtstag Beteiligungen an einer Ausbildungsversicherung. Oder überweisen einen Beitrag zum Sommerurlaub des Geburtstagskindes. Ist doch effektiv!

Nächste Woche schreibt an dieser Stelle wieder Hajo Schumacher.