Ratgeber

Jeder hat eine andere Meinung zum Stillen. Was ist richtig?

Ich (21) bin im Januar Mutter geworden. Mein Partner und ich sind sehr glücklich mit unserem Sohn Kilian. Bei manchen Entscheidungen fühlen wir uns aber unsicher, zum Beispiel beim Stillen. Unser Kinderarzt hat uns geraten zuzufüttern. Die Hebamme meint jedoch, dass das nicht notwendig sei. Meine Mutter dagegen empfiehlt, der Meinung des Kinderarztes zu folgen. "Zufüttern schadet nie!", ist ihr Kommentar. Jetzt sind wir total verunsichert. Wie wissen wir, was richtig ist?

Clara S., aus Spandau

Es ist sehr verständlich, dass Sie sich verunsichert fühlen, das geht den meisten Eltern mit dem ersten Kind so. Für Sie beginnt eine ganz neue Lebensphase. Vieles muss neu gelernt werden, vor allem auch, was in der jeweiligen Entwicklungsphase gut ist für Ihren Sohn Kilian. Aktuell erleben Sie ein Phänomen, das Sie in der gesamten Entwicklung Ihres Sohnes begleiten wird. Über die kindliche Entwicklung gibt es viele wissenschaftlich fundierte Meinungen genauso wie den Erfahrungsschatz im eigenen Familien- oder Freundeskreis. Selten sind alle diese Ratgeber einer Meinung. Und immer gibt es jemanden, der es besser weiß.

Wichtig für Sie ist, dass Sie sich als Eltern gerade beim ersten Kind nicht zu sehr unter Druck setzen. Die perfekten Eltern gibt es nicht. Und jedes Kind ist anders, und Sie als Mutter und Vater kennen Ihr Kind besser als jeder andere Experte. Beobachten Sie, was Ihrem Sohn guttut, aber auch, was Ihnen als Mutter und Vater guttut. Kinder spüren sehr genau, was mit ihren Eltern los ist, Verunsicherung überträgt sich schnell. Expertenmeinungen helfen als Orientierung, aber es muss auch immer auf Ihr Kind und Ihre familiäre Situation passen.

Hinsichtlich des Stillens überlegen Sie sich, wie es Ihnen mit den unterschiedlichen Expertenmeinungen geht. Wollen Sie längere Zeit stillen? Oder zu einem bestimmten Zeitpunkt, vielleicht nach sechs Monaten beginnen abzustillen, weil Sie zurück in den Beruf wollen? Wenn der Vater zu Hause beim Kind bleibt, wie planen Sie die Ernährung? Besprechen Sie diese Fragen mit Ihrer Hebamme und Ihrem Kinderarzt. Und überlegen Sie dann, ob der empfohlene "Fahrplan" in Ihr junges Familienleben passt. Für das Stillen gilt von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Faustregel: Je länger gestillt wird, umso größer ist die positive Wirkung für die psychische wie die physische Entwicklung Ihres Sohnes, und bis zum sechsten Monat ist meistens ein Zufüttern nicht nötig.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (Ane)

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