Eignungsprüfung

Sieben Bewerbungen pro Adoptivkind

Höchstens 40 Jahre Altersabstand sollten zwischen dem Kind und seinen Adoptiveltern liegen

- Wer in Deutschland ein Kind adoptieren möchte, muss mindestens 25 Jahre alt sein - so steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Eine Obergrenze für die Adoption kennt das Gesetz nicht, dennoch sinken die Chancen, ein Kind zu adoptieren, mit steigendem Alter. Die Altersdifferenz zwischen Adoptivkind und Eltern sollte nicht mehr als 40 Jahre betragen. "Bei dieser Zahl handelt es sich nicht um eine absolute Grenze, sondern um eine orientierende Empfehlung", sagt Birgit Zeller von der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Landesjugendämter in Mainz. Es komme immer auf die individuelle Bewertung des Falls durch das Jugendamt an. Die Empfehlung wurde außerdem schon mehrfach angepasst. "Zunächst waren es 35 Jahre, dann 35 bis 40, und seit dem Jahr 2003 beträgt der maximale Altersabstand zwischen Kind und Adoptiveltern 40 Jahre", erklärt Zeller.

"Das Ziel ist vor allem, so nah wie möglich am natürlichen Eltern-Kind-Verhältnis zu sein", erklärt Zeller. Auch sei zu beachten, dass ältere Menschen weniger belastbar sind und davon ausgegangen wird, dass Adoptivkinder besonders lange Begleitung durch Eltern brauchen. Natürlich gebe es Ausnahmen, wie bei der Adoption durch Verwandte oder bei der Stiefkindadoption. Völlig unmöglich sei es daher nicht, in höherem Alter noch zu adoptieren, "aber wir haben keinen Mangel an jüngeren Bewerberpaaren", sagt Zeller.

Eignungsbericht des Jugendamtes

Auf jedes in Deutschland zur Adoption freigegebene Kind kämen etwa sieben Bewerbungen. Das Alter ist dabei nur ein Kriterium. "Wirtschaftliche Lage, Belastbarkeit, Stabilität der Partnerschaft, Wohnverhältnisse und Erfahrungen mit bereits vorhandenen Kindern sind alles Faktoren, die in den Eignungsbericht des Jugendamts einfließen." Ein solcher Eignungsbericht ist auch nötig, wenn ein Paar ein Kind aus dem Ausland adoptieren will, das bestimmt das Haager Adoptionsübereinkommen von 1993. Die Regelung zum Höchstalter für Adoptionen ist aber nicht international festgelegt.

Eine Adoption ohne Eignungsprüfung durch deutsche Behörden ist nur möglich, wenn das Kind aus einem Land kommt, das nicht Mitglied der Haager Übereinkunft ist, zum Beispiel Russland. Auch Staaten mit islamischer Prägung sind der Haager Übereinkunft nicht beigetreten, dort gibt es aus religiösen Gründen keine Adoptionen. Kinder aus diesen Staaten können nur in Pflege genommen werden. Das Kind bekommt dann aber nicht automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit. "Wir raten grundsätzlich davon ab, eine Adoption ohne Einschalten einer deutschen Vermittlungsstelle anzugehen", warnt Thomas Ottersbach von der Bundeszentrale für Auslandsadoption in Bonn. Es sei rechtlich nicht verboten, berge aber Risiken. Schon bei der Einreise des Kindes können Probleme auftreten. Oder wenn die Adoption später durch das Familiengericht anerkannt werden soll. Er empfiehlt daher, die Adoption über Grenzen hinweg durch das jeweilige Landesjugendamt oder eine autorisierte Organisation begleiten zu lassen.