Interview mit Natalie Garcia Bartels

Eincremen allein reicht nicht

Kinderhaut ist besonders sensibel. Eine Dermatologin der Charité erklärt, worauf es bei der Pflege im Frühling ankommt

- Endlich Sonne und Frühling! Die Kinderhaut erholt sich von den Temperaturschwankungen im Winter, doch die roten Stellen in manchem kleinen Gesicht verschwinden nicht automatisch. Auch im Frühling muss einiges bei der Pflege empfindlicher Kinderhaut beachtet werden. Worauf Eltern achten sollten, wann sie cremen und wie sie mit den ersten Sonnenstrahlen umgehen sollten, darüber sprach Cirstin Listing mit Dr. Natalie Garcia Bartels, Oberärztin an der Kinderdermatologischen Ambulanz der Charité und stellvertretende Direktorin des Klinischen Studienzentrums für Haut- und Haarforschung.

Berliner Morgenpost:

Eigentlich sollte sich die Kinderhaut nach dem Winter regenerieren. Warum gibt es trotzdem oft trockene Stellen und Rötungen?

Natalie Garcia Bartels:

Die Beobachtung ist richtig. Man kann die Verbesserung des Hautzustandes nicht an den Monaten festmachen, weil die Bedingungen schwanken können. Im Frühling können die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit höher sein. Folglich ist auch die Hautfeuchtigkeit höher. Es kann aber auch so kalt sein, dass man sich viel in beheizten Räumen aufhalten muss. Deshalb sollten Eltern geschult werden, worauf sie achten müssen.

Was müssen Eltern wissen?

Hat das Kind empfindliche Haut, sollte man es täglich oder jeden zweiten Tag bei gutem Licht genau ansehen. Vor allem Oberschenkel, Oberarme, Bauch und Wangen sollten nach trockenen Stellen, Rötung oder Schuppung abgesucht werden. Hat das Kind eine Neigung zu Neurodermitis muss man sich auch Armbeugen, Kniekehlen und Achseln ansehen. Auch hinter den Ohren muss man nach trockener rissiger Haut schauen. Wenn das Kind eine rote Stelle hat, heißt das aber nicht sofort, dass es Neurodermitiker ist.

Was empfehlen Sie den Eltern?

Man muss hautgesunde Kinder von Kindern mit einem möglicherweise erhöhten Risiko zu trockener Haut, Heuschnupfen und Neurodermitis unterscheiden. Hautgesunde Kinder muss man nicht eincremen. Es schadet aber auch nicht, wenn man es tut. Aber Kinder mit trockener Haut muss man eincremen.

Hebammen empfehlen Eltern oft, das Baby nicht einzucremen und keine Badezusätze zu benutzen.

Für Neugeborene und Kleinkinder gibt es noch keine verbindlichen Leitlinien. Man kann aber nach Abfall der Nabelschnur das Baby ein- bis dreimal pro Woche baden. Es schadet nicht, Badezusätze zu verwenden. Wichtig ist, dass man gute, speziell für Babys ausgewiesene Produkte von Herstellern, die schon lange auf dem Markt sind, benutzt. Man kann das Kind danach eincremen, muss es aber nicht. Auch wenn man nicht cremt und badet, kann man nichts falsch machen.

Stimmt es denn, dass das Eincremen die Babyhaut stört, sich gesund zu entwickeln?

Nach unseren Studien gibt es positive Entwicklungen, wenn Kinder regelmäßige Hautpflege erhalten. Zum Beispiel bleibt der pH-Wert stabil und die Hautfeuchtigkeit steigt. Wir können auch nachweisen, dass es nach dem Babyschwimmen Sinn macht, das Kind einzucremen. Die Kinder in unserer Studie gingen einmal pro Woche im ozonbehandelten Schwimmbecken der Charité schwimmen. Die Hautbarriere blieb stabil, auch der Säureschutzmantel und die Fettigkeit blieben bei eingecremten Kindern stabiler als bei Kindern, die nicht eingecremt wurden.

Welche pflegenden Substanzen tun der Kinderhaut besonders gut? Eltern sind angesichts der vielen Produkte und Inhaltsstoffe oft überfordert.

Der "Das-bringt-etwas-Effekt" ist schwer nachzuweisen. Daher kann ich leider keinen Rat geben, welche Inhaltsstoffe besonders gut sind. Oft wird gerade Kindern mit Hautproblemen empfohlen, Öl-, Basen- oder Solebäder zu machen. Das sind therapeutische Bäder und die sollte man auch im therapeutischen Bereich belassen. Da sollte ein Arzt ein Pflegekonzept für das individuelle Kind entwickeln. Hautgesunde Kinder können spezielle Kinderprodukte benutzen, wenn sie verdreckt und versandet vom Spielplatz kommen. Bei trockener Haut sollte es ein Badezusatz sein, der die Haut nicht austrocknet und im Haut-pH-Bereich liegt. Ölhaltige Badezusätze sollte man mit dem Haut- oder Kinderarzt abstimmen. Vielleicht reicht auch die Creme danach aus.

Sollten Kinder mit trockener Haut überhaupt baden oder besser duschen?

Jeder Wasserkontakt ändert den pH-Wert der Haut für eine kurze Zeit. Bei Kindern mit trockener Haut sollte man nicht zu lange baden oder duschen und möglichst immer nach dem Baden eincremen. Meine nichtwissenschaftliche Empfehlung ist, das Kind zweimal pro Woche zu baden.

Haben Sie einen Rat für Teenager?

Durch die Pubertät stellt sich der Hormonhaushalt um. Die Hautbeschaffenheit verändert sich, wird fettiger und neigt zu Mitessern oder sogar Akne. Wie die Haut gepflegt wird, muss man individuell nach dem jeweiligen Hauttyp entscheiden. Mädchen, die Make-up benutzen, sollten darauf achten, dass es nicht Mitesser fördert und die Haut verschlechtert. Abends muss man sich unbedingt abschminken. Wenn die Haut sehr fettig ist, bitte keine fette Creme benutzen. Sinnvoll ist es, die Hautzonen zu pflegen, die trocken sind. Dort wo die Talgdrüsen aktiver sind, wie in der T-Zone im Gesicht, am Dekolleté und zwischen den Schulterblättern, muss man genau prüfen, ob die Haut überhaupt eine Creme braucht. Man kann sich dazu beim Hautarzt beraten lassen.

Aber ist die Haut nicht immer trocken, wenn sie nicht eingecremt wird?

Viele Jugendliche sagen, dass nach dem Waschen die Haut spannt und nehmen das als Hinweis dafür, dass sie trocken ist. Aber die Haut regeneriert sich nach 30 Minuten selbst. Das sollte man abwarten und dann nach Hautstellen schauen, die weißlich schimmern, gerötet sind oder jucken. Die sollte man eincremen.

Kann man die Haut auch überpflegen?

Ja, viel hilft nicht viel. Zumindest nicht immer. Wenn man zuviel Feuchtigkeitscreme benutzt oder eine zu reichhaltige Creme wählt, kann es zu Rötungen kommen.

Wird Sonnenschutz für die Haut erst im Sommer ein Thema?

Gerade bei Kindern unter drei Jahren muss man auch im Frühling sehr genau auf den Sonnenschutz achten, weil die Melaninproduktion noch nicht ausgeprägt ist. Nur eine Sonnencreme aufzutragen reicht nicht. Sonnencreme schützt nicht vor Hautkrebs. Man sollte gerade Kinder zusätzlich mechanisch schützen: mit Kleidung, die bis zu den Händen reicht, zwischen 11 und 15 Uhr sollten sie nicht in die pralle Sonne, und sie sollten ein Käppi tragen, das Gesicht, Ohren und Hals schützt.

Viele Hersteller werben mit UV-Schutz in der Kleidung. Ist das sinnvoll?

Wenn man lange in der Sonne ist und ein leichtmaschig gewebtes Oberteil trägt, geht mehr UV-Strahlung hindurch als durch ein dichtgewebtes. Kleidung, die vom Hersteller so ausgewiesen ist, erhöht den Schutzfaktor etwas, gerade, wenn man plant, das Kind länger der Sonne auszusetzen. Aber man muss trotzdem die oben genannten Hinweise beachten.