Partnerschaft

"Ähm, nein, die Rechnung bitte getrennt"

Was tun, wenn der Traumprinz knauserig ist? Geld spielt in allen Beziehungen eine Rolle. Experten raten zu klaren Regeln

- Was hatte sie sich alles vorgestellt! Sie würde ihn in London besuchen und ein Wochenende mit ihm, dem erfolgreichen Banker, verbringen; sie würden ausgehen, Spaß haben, vielleicht würde sich daraus mehr ergeben.

Weit gefehlt.

Zwar besucht Nadja R. ihren Banker in London, die richtige Stimmung will sich aber nicht einstellen. Zu fremd ist ihr das Gehabe - und zu sehr stößt es sie ab, dass ihr Bekannter sie zwar gerne zwei Tage beherbergt, sonst aber jede Form der Höflichkeit vermissen lässt. An der Kasse beim Bäcker zückt er zwar sein Portemonnaie, um für Milchkaffee und Croissants zu zahlen. "Na klar, jetzt darf ich löhnen", meint er, als er das Geld, einen kleinen Betrag, über den Tresen reicht. Sie ist sich nicht sicher: War das Spaß? Am Abend das Gleiche: Nach dem Essen in dem italienischen Restaurant mit Blick auf den Themsekai winkt er den Kellner heran. "Ähm ... nein, die Rechnung bitte getrennt!" Sie lässt sich nichts anmerken und ist doch enttäuscht. So war das nicht geplant. Was denkt der sich? Schließlich hat sie schon den überteuerten Flug nach London gezahlt. Nadja R. reist ernüchtert zurück. Aus dem Trip entwickelt sich nichts, auch aus anderen Gründen. Trotzdem sagt sie: "Das mit dem Geld, das fand ich ziemlich komisch."

Geld ist in jeder Beziehung dabei

Das Beispiel zeigt: Geld ist von Anfang an, bei jeder Annäherung und in jeder Beziehung, immer dabei, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Das führt oft genug zu Streit, gerade wenn die erste Verliebtheit abklingt und die Rechnerei - und vor allem die Aufrechnerei - beginnt.

Jedes dritte Paar streitet Forsa zufolge regelmäßig um Geld, eine Tatsache, die die Mehrheit von uns offensichtlich nicht sehen will, erklärten doch zwei Drittel kürzlich in einer Studie der Postbank: "Nein, wir streiten nie über Geld." Psychologen halten das für Wunschdenken und raten, sich von Anfang an über die Macht des Geldes in einer Beziehung bewusst zu werden und Regelungen zu treffen, die von beiden akzeptiert und praktiziert werden. "Geld ist eine scharfkantige Sache, die sehr zerstörerisch sein kann", sagt Paartherapeut Klaus Heer.

"Als Erstes heißt es, die Unterschiede in Bezug auf die Finanzen überhaupt wahrzunehmen. Wer das Geldthema tabuisiert, sitzt bereits mitten drin im Problem", sagt Klaus Heer. Das gilt für die Anbahnungsphase wie für das Zusammenziehen. Eine Lösung sind klare Abmachungen, was mit dem gemeinsamen Geld bezahlt wird und was nicht. Vier von zehn Paaren in Deutschland haben der Postbank zufolge ein gemeinsames Konto für alle Ausgaben, etwas niedriger fällt der Wert für Paare aus, bei denen die Partner darüber hinaus ein eigenes Konto haben.

"Wir vertrauen einander, dass der andere verlässlich mit dem gemeinsamen Konto umgeht", sagt Claudia G., die als Geschäftsführerin in einem Unternehmen am Neckar mehr verdient als ihr Mann, der Gartenbautechniker ist. "Natürlich hilft es uns, dass wir ähnliche Vorstellungen in Bezug auf Geld haben."

Entscheidungen über größere Summen fällt das Paar deshalb gemeinsam, sagt Claudia G. "Keiner geht an das Konto und kauft für mehrere Tausend Euro ein." Wie sie hat Miriam S., eine 34-jährige Beamtin aus Osnabrück, neben dem gemeinsamen auch ein eigenes Konto. "Wir sind beide irgendwie zu selbstständig, um nur ein gemeinsames Konto zu haben", sagt sie. Sie und ihr Mann, ein Banker, haben sich gegenseitig Kontovollmachten erteilt, aber "wir gucken einander nicht in die Kontostände. Das wäre ja in etwa so, als würden wir die SMS oder E-Mails des anderen lesen." Doch obwohl sie weiß, dass ihr Mann mehr verdient als sie, nimmt Miriam S. nur ungern Geld von ihrem Mann. Mit ihrer halben Stelle - und dem halben Gehalt - zahlt sie die Kinderbetreuung, die Krankenversicherung und das Telefon, den Rest - "den Mammutanteil", wie Miriam selbst sagt - übernimmt ihr Mann. "Wenn am Ende des Geldes noch Monat da ist, fällt es mir schwer, ihn zu bitten, mir etwas vorzustrecken", sagt sie - und das, "obwohl Sebastian einfach Geld überweist, ohne zu fragen wofür."

In ihrem Freundeskreis ist das Ehepaar mehr oder weniger das einzige, bei dem jeder neben dem gemeinsamen noch ein eigenes Konto hat. "Unsere Freunde haben bei der Hochzeit praktisch alle ihre Konten zusammengelegt", sagt die 34-Jährige. "Komischerweise ist Geld bei allen von denen ein ständiges Diskussionsthema."

Erich Kirchler, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Universität Wien, hat herausgefunden, dass die meisten Streits bei Paaren mit Kindern im schulpflichtigen Alter vorkommen. "Dann geht es oft genug um Geld", sagt Kirchler, der für eine Studie 40 Paare über ein Jahr lang getrennt Tagebuch führen ließ.

Dass die meisten Deutschen angeben, nie über Geld zu streiten, verwundert den Psychologen nicht. "Paare reden im Schnitt eine Stunde am Tag miteinander. Da ist es nicht verwunderlich, dass man Konflikte nicht wahrhaben will." Die wenige Zeit für Kommunikation wollen Paare nicht mit Problemen belasten. Paartherapeut Heer macht auch ein Wunschdenken aus, mit dem viele Paare an ihre Beziehung herangehen. "Es ist naiv, wenn so viele Menschen sagen, in ihrer Beziehung sei Geld kein Problem."

Ausbalancieren der Macht

Streitstudien haben gezeigt, dass beim Thema Geld nicht immer derselbe die Oberhand behält. "Hier setzt sich eher der Kompetentere durch, es geht in finanziellen Entscheidungen um die Ausbalancierung der Machtverhältnisse zwischen den Partnern", sagt Kirchler. Wie in der Berufswelt, so ist Geld in Beziehungen ein Machtmittel - gleichermaßen in Beziehungen, in denen es am Geld nicht mangelt, wie in Beziehungen, in denen jeder Euro umgedreht wird. Und Paartherapeut Heer bestätigt: "Liebe ist immer auch Macht. Wenn man sich nicht mehr berührt, beginnt man, sich über irgendetwas zu streiten. Etwa über die Kindererziehung - oder eben über das Geld."