Statistik

Zwei Drittel der jungen Erwachsenen sind "Nesthocker"

Der 25-jährige Student Andreas Malucker möchte nicht aus der Wohnung seiner Mutter ausziehen. Die 53-jährige Alleinerziehende hat gemischte Gefühle: "Natürlich setze ich meinen Sohn nicht vor die Tür, aber ich hätte es gern, dass er von alleine gehen will", sagt Annette Malucker.

- Andreas will aber nicht, ihm gefällt die Unterbringung im "Hotel Mama", wie er selbst sagt. Viele junge Erwachsene wohnen im Elternhaus, um die Vorzüge der Fürsorge zu genießen.

Der Erziehungswissenschaftlerin Christiane Wempe zufolge ist der typische Nesthocker männlich, ledig und gebildet. Frauen ziehen im Durchschnitt mit 23,9 Jahren aus, Männer mit 25,1 Jahren. Insgesamt leben heute nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fast zwei Drittel der 18- bis 24-Jährigen in Deutschland im Haushalt der Eltern. Nach Erhebungen des Deutschen Jugendinstituts lag 1970 das Auszugsalter noch bei 20 Jahren.

Andreas hängt an seiner Mama. Sie habe immer ein Ohr für seine Probleme, sagt er. Zudem "bemuttert" sie ihn, indem sie kocht, wäscht und bügelt, oft darf er das Auto benutzen. Das hätte er nach einem Auszug nicht mehr. Doch es gehe meist nicht nur um Bequemlichkeit. Häufig geben ökonomische Überlegungen den Ausschlag, warum junge Erwachsenen nicht ausziehen, sagt Wempe. Eine lange Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder befristete Arbeitsverträge spielten eine wesentliche Rolle. Jeder fünfte Nesthocker sei ein Wiedereinzieher.

Auffallend früh stehen Jugendliche in Finnland auf eigenen Füßen, in Italien besonders spät. Dort ziehen Männer durchschnittlich erst mit 30,9 Jahren aus, Frauen mit 29,5. "Das liegt aber auch daran, dass es in Italien wenig bezahlbaren Wohnraum gibt", sagt Wempe.

Annette Malucker würde ihren Sohn Andreas gern beim Schritt in die Selbstständigkeit unterstützen. "Denn wir zwei in einer Wohnung, das geht nicht mehr lange gut. Ich werde aggressiv, wenn ich sehe, wie mein Sohn faul auf der Couch rumlungert." Sie will jetzt in eine kleinere Wohnung umziehen. "Da hat Andreas dann nur die Couch im Wohnzimmer, um dort zu übernachten." Sie denkt, dass er sich bald eine WG suchen wird.