Ratgeber

Unser Sohn wird im Internet gemobbt - was können wir tun?

Unser Sohn Max (14) wird seit einiger Zeit bei Facebook gemobbt. Max ist über die Beleidigungen, die in regelmäßigen Abständen zum Beispiel auf seine Pinnwand gepostet werden, sehr traurig und verunsichert. Wir vermuten, dass ein paar Jungs aus seiner Klasse dahinterstecken. Max zieht sich immer mehr zurück und möchte auch nicht mehr in die Schule gehen. Was können wir tun, um ihm zu helfen? Sollen wir ihm den Zugang zu Facebook einfach untersagen?

Beate W. aus Spandau

Cybermobbing ist ein ernst zu nehmendes Phänomen. Es werden über die sozialen Netzwerken gehässige und beleidigende Dinge verbreitet, mit dem Ziel, die Betroffenen "öffentlich" bloßzustellen und zu demütigen.

Wie Max ziehen sich viele betroffene Kinder und Jugendliche sozial zurück. Oft haben sie Angst in die Schule zu gehen, verspüren Scham und Hilflosigkeit, entwickeln Schlafstörungen, Depressionen oder, im schlimmsten Fall, sogar Selbstmordgedanken. Cybermobbing ist für Kinder und Jugendliche deshalb so schlimm, weil sie den Attacken hilflos gegenüber stehen und sich nicht wehren können. Die Täter bleiben oft unerkannt und gehen deswegen besonders hemmungslos vor.

Max den Zugang zu Facebook zu verbieten, ist nicht unbedingt die Lösung des Problems, wenn alle anderen Gleichaltrigen dort anzutreffen sind. Gehen Sie daher das Problem gemeinsam an: Auf www.klicksafe.de finden Sie den Leitfaden "Facebook für Minderjährige". Wenn Ihr Sohn gern weiterhin dort angemeldet bleiben möchte, klären Sie auf der Grundlage dieses Leitfadens, wie er seine Privatsphäre in Zukunft schützen muss. Gehen Sie mit ihm Schritt für Schritt die Anleitungen durch: Für wen will er auffindbar sein, wen will er in Zukunft sperren, welche Informationen über sich möchte er wem zur Verfügung stellen. Bestehen Sie als Eltern auf jeden Fall darauf, dass Ihr Sohn keine privaten Adressangaben, E-Mail-Konten oder Telefonnummern veröffentlicht. Informieren Sie auch den Klassenlehrer bzw. die Elternvertretung an der Schule über die Mobbingattacken. Klären Sie dort, ob dies auf einem Elternabend besprochen werden kann und wie die Schule eine Strategie gegen das Cybermobbing entwickeln will. Sammeln Sie Belege für das Cybermobbing. Falls die Beleidigungen nicht aufhören, können Sie auch Anzeige gegen die Täter oder den Betreiber erstatten.

Weitere Informationen finden Sie in der Beilage "Cybermobbing - Was können Eltern tun?" zum Schulbrief 16 auf www.a4k.de. Eine persönliche Beratung können Sie unter www.ane.de/familienberatung.html verabreden.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (Ane)