Patenschaften

"Kinder brauchen Stabilität"

Wer ehrenamtlich Pate sein möchte, sollte das langfristig tun, findet die Chefin der Bürgerstiftung

- Wer gerne Verantwortung für ein fremdes Kind übernehmen möchte, aber beispielsweise kein Kirchenmitglied ist oder aus anderen Gründen nicht Taufpate wird, der kann sich auch ehrenamtlich für Berliner Kinder engagieren. Es gibt etliche Träger, die Projekte anbieten, zum Beispiel die Bürgerstiftung Berlin. Was es da für Möglichkeiten gibt, darüber sprach Anne Klesse mit deren Vorsitzenden, Heike Maria von Joest.

Berliner Morgenpost:

In welchen Projekten kann man sich um Berliner Kinder kümmern?

Heike Maria von Joest:

Bei den Patenprojekten arbeiten wir in der Bürgerstiftung mit 58 Bildungsträgern zusammen, mit Kitas, Grund- und Sekundarschulen. Unsere Paten unterstützen die Erzieher und Lehrer. Es gibt zum Beispiel Ingenieure, die als Physikpaten in den Unterricht kommen und Experimente mit den Kindern durchführen. Auch unsere Lesepaten engagieren sich direkt im didaktischen Betrieb. Es gibt auch die Möglichkeit, Kindern im Hort bei den Hausaufgaben zu helfen, als Pate die Schulbibliothek zu betreuen usw.

Kann man als Pate bei Ihnen auch die Freizeit der Kinder mitgestalten?

Ja, wir haben zum Beispiel Paten, die regelmäßig mit Kindern in den Zoo gehen. Die Paten bereiten diese Besuche vor, holen die Kinder ab, begleiten sie. Dann gibt es das Projekt "Abenteuer Umwelt", da begleiten Paten Kinder von zurzeit drei Grundschulen in den Naturerlebnisraum am Gleisdreieck. Dort legen sie dann gemeinsam Insektensammlungen an, sammeln Blätter, bestimmen Blumen, pflanzen Bäume. Das ist gerade für Kinder, deren Eltern mit ihnen kaum etwas unternehmen, sehr schön. Für manche sind das die einzigen Stunden, in denen sie mal draußen in der Natur sind.

Welche Voraussetzungen müssen Paten erfüllen?

Die einzige Voraussetzung ist, dass jemand bereit ist, sich für längere Zeit zu engagieren. Ein Pate wird von uns ausgebildet, es gibt Weiterbildungsmöglichkeiten. Aber dafür muss sich ein Pate verpflichten, nicht gleich wieder zu gehen, denn das Wichtigste sind die Kinder. Die freuen sich immer so auf die Zeit mit den Paten und brauchen Stabilität. Im Moment engagieren sich bei uns 300 Ehrenamtliche, die leisten etwa 30.000 Stunden im Jahr. Die meisten sind schon seit einigen Jahren Paten.

Gibt es die Möglichkeit, Patenschaften für ein einzelnes Kind zu übernehmen?

Nein, wir haben da einen anderen Ansatz. Über unsere 2009 gegründete Treuhandstiftung, die August Joest Stiftung, fördern wir einzelne Kinder. Das läuft ähnlich wie bei einem Stipendium: Kinder können sich bei der Bürgerstiftung bewerben. Zum Beispiel finanzieren wir Musikunterricht, wenn die Eltern den nicht bezahlen können. Im Jahr fördern wir so zurzeit 25 Kinder, und wir haben noch Spielraum.