Ratgeber

Darf mein Sohn am Sportunterricht teilnehmen?

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Mein elfjähriger Sohn hat Asthma. Deswegen möchte ihn sein Lehrer nicht am Sportunterricht teilnehmen lassen und fordert eine entsprechende Bescheinigung. Ich bin mir unsicher. Muss er wegen seiner Beschwerden wirklich so vorsichtig sein? An wen soll ich mich jetzt wenden? Andrea K., Mitte.

Zunächst einmal an Ihre Kinderärztin bzw. Ihren Kinderarzt, die die medizinische Situation Ihres Sohnes mit Ihnen gemeinsam einschätzen können. Wenn er bei körperlicher Anstrengung regelmäßig unter Atembeschwerden wie Husten, Engegefühl im Brustkorb, Pfeifen oder Luftnot leidet, dann sind tatsächlich besondere Vorsichtsmaßnahmen beim Sport sinnvoll: Zum Beispiel langsames Aufwärmen mit kurzen Pausen, die Erlaubnis zum Aussetzen bei Beschwerden und evtl. zur Inhalation eines Bronchien-erweiternden Medikaments mittels Dosieraerosol. Darüber sollte der Sportlehrer informiert sein, und Sie können vielleicht ein direktes Telefonat mit dem betreuenden Kinderarzt vermitteln.

Die genannten Symptome sprächen allerdings für eine unbefriedigende Kontrolle der Asthma-Erkrankung, die ich so nicht akzeptieren würde. Bei Erkältungen oder starkem Allergen-Kontakt kann es mal instabilere Phasen geben. Aber grundsätzlich streben wir in der modernen Asthma-Behandlung eine normale körperliche Belastbarkeit, ungestörte Nachtruhe, keine schweren Anfälle und leichte Beschwerden maximal zweimal pro Woche an. Diese Ziele lassen sich heutzutage bei praktisch allen Betroffenen erreichen, oft auch ohne regelmäßige Medikamente. Schließlich haben ja circa acht Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit Asthma zu tun und sollten eine Lungenfunktions- und Allergietestung sowie Schulung bekommen. Bei Problemfällen können spezialisierte Kinder-Lungenärzte hinzugezogen werden. Doch zurück zur Sportbefreiung: Bei Asthma im Kindes- und Jugendalter sollte sie die absolute Ausnahme und nur vorübergehend sein, etwa bei instabilem schwerem Asthma. Im Gegenteil: Forschungsergebnisse zeigen, dass sich sportliche Betätigung günstig auf die bronchiale Verkrampfungsneigung und Beschwerdehäufigkeit auswirkt. Dass man chronisch Lungenkranken Schonung und Bettruhe empfohlen hat, gehört zur Medizingeschichte - inzwischen gibt es selbst unter erfolgreichen Leistungssportlern solche mit Asthma. Also gute Aussichten für Ihren Sohn!

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