Ratgeber

Wird unsere Tochter (8) zu sehr verwöhnt?

Wir haben eine achtjährige Tochter Jana, die uns große Freude bereitet. Allerdings finde ich, dass meine Frau unsere Tochter sehr verwöhnt. Sie nimmt ihr so gut wie alle Aufgaben ab und erfüllt ihr alle materiellen Wünsche. Außerdem gibt es stets Ausnahmen von den Ausnahmen, etwa beim Fernsehen. Tut unserer Tochter diese Art von Verwöhnung gut? Klaus G., Schöneberg

Tatsächlich ist das Thema "Verwöhnen" eines der häufigsten Streitthemen zwischen Eltern. Nicht immer ist es einfach zu erkennen, wann genau sie ihr Kind verwöhnen. Dazu eine einfache Regel: Kinder sind "verwöhnt", wenn sie als Kinder bekommen, was sie nicht brauchen, und davon mehr als für sie gut ist.

Reden Sie als Eltern miteinander und legen gemeinsam fest, wie viel Verwöhnen Ihrem Kind gut tut. Überlegen Sie gemeinsam, welche Ursachen Ihre Verwöhnhaltung hat. Oft gehen Eltern, unbewusst oder bewusst, Konfliktthemen aus dem Weg. Manche Eltern haben Angst, dem Kind gegenüber eine klare Grenze zu ziehen, um es vor Gefühlen wie Frustration, Traurigkeit, Enttäuschung oder Ärger zu beschützen. Sie befürchten auch, dass das Kind sie nicht mehr mögen wird, wenn sie eine Grenze setzen, oder "nein" sagen.

Tatsächlich kann zu viel Verwöhnen schaden. Kindern fehlt es oft an Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und vor allem dem nötigen Selbstvertrauen. Wenn Eltern ihrem Kind immer alles abnehmen, lernen Kinder nicht, wie sie alleine etwas schaffen können. Das hemmt sie in ihrer Entwicklung. Sie können nicht stolz und freudig über das eigene Erreichte sein, was wiederum der Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins entgegenwirken kann. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Frau und entwickeln Sie Ideen, wie Sie Ihre Tochter hin zu mehr Selbständigkeit und Selbstbewusstsein fördern. Bestärken Sie Ihre Tochter durch Lob und Ermutigung, wenn sie etwas geschafft hat, zeigen Sie Ihre Freude für das Übernehmen von Aufgaben und Pflichten, die altersgemäß sind. Beschützen Sie Ihre Tochter nicht vor zwischenzeitlichen Enttäuschungen. Das verhindert Freude und Stolz etwas geschafft und erreicht zu haben.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (ANE)