Sprechstunde

Warum tritt aus meiner Brust Flüssigkeit aus?

Sabine F. aus Lankwitz: Seit ein paar Wochen habe ich in meinem BH immer wieder Spuren von angetrockneter gelber Flüssigkeit, die scheinbar aus meinen Brustwarzen kommt. Ich habe meine Brust deshalb wiederholt abgetastet und festgestellt, dass ich eine gelbliche Flüssigkeit aus der Brustwarze massieren kann. Da ich weder schwanger bin noch stille, frage ich mich, was ich tun kann.

Grundsätzlich sollten Sie bei jeder neu aufgetretenen Art von Flüssigkeitsaustritt aus der Brustwarze Ihren Frauenarzt zu Rate ziehen. In der Frauenarztpraxis kann man rasch mit einfachen Untersuchungen die Ursachen einer Sekretion eingrenzen.

Wichtig ist für die Betroffenen, dass gerade die einseitige Sekretion der Brustwarze gezielt abgeklärt werden muss, um seltene frühe kleinste Befunde von bösartigen Befunden auszuschließen.

Bei ca. drei bis acht Prozent aller Frauen besteht eine Mamillensekretion. In den allermeisten Fällen (ca. 75 Prozent) liegt dieser Sekretion eine gutartige Ursache zu Grunde. Eine gutartige Sekretion ist insbesondere daran zu erkennen, dass der Absonderung aus der Brustwarze oft eine Stimulation der Brust vorausgeht und dass sie beidseitig auftritt. Als Stimulation kann eine einfache mechanische Reizung der Brustwarze in Frage kommen, wie sie beispielweise beim Sex praktiziert wird. Diese sogenannte physiologische (normale) Sekretion ist eben genau dadurch gekennzeichnet, dass beide Brüste betroffen sind. Die Flüssigkeit, welche oft eher weißlich, gelblich erscheint, tritt nur auf mechanischen Druck, oft aus mehreren Drüsengängen aus. Andere Ursachen dieses Symptoms, welches vom Mediziner auch Galaktorrhoe genannt wird, können hormonelle Umstellungssituationen der Frau sein. Sie können in der Menopause oder bei jungen Frauen auch zu Beginn der Menarche (erste Regelblutung) auftreten. Der Faktor Stress kann, wie auch einige spezielle Hormonerkrankungen, z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion, in Form einer solchen Sekretion zu Tage treten. Besonders wichtig ist es, dass Sie ihrem Frauenarzt genau die Medikamente, die Sie eventuell einnehmen, mitteilen können. Denn bestimmte Substanzenklassen können Auslöser einer solchen Sekretion sein. Ihr Frauenarzt wird in jedem Fall Ihre Brust gründlich untersuchen und kann z. B. mit dem Ultraschall, bestimmten Laboranalysen oder einer einfachen Abstrichentnahme eine Vielzahl von Möglichkeiten des Entstehens der Sekretion ausschließen.

Die einseitige, eher blutige oder klare Sekretion, welche sich auch ohne Druck aus der Brustwarze entleert, stellt in diesem Zusammenhang hingegen ein besonderes Warnsymptom dar. Bei fünf Prozent der Frauen mit einer Sekretion kommt eine Zellveränderung in den Drüsengängen als Ursache in Frage. In seltenen Fällen kann sich aber auch die Frühform eines Brustkrebses hinter diesem Symptom verstecken.

Allermeist in etwa der Hälfte der Fälle einer einseitigen Sekretion kann ein Papillom (eine lokale kleine Gewebewucherung) im Drüsengang als Ursache gesichert werden. Zur genaueren Diagnostik werden aber radiologische Untersuchungen der Brust notwendig. Zellveränderungen der Drüsengänge müssen immer operativ entfernt werden. Dies geschieht als kleine Operation vom Rand der Brustwarze. Sie sollten in diesen Fragen in jedem Fall den Frauenarzt Ihres Vertrauens zu Rate ziehen. Dieser wird Sie entsprechend beraten und untersuchen.

Jörg Schreier ist Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe