Ratgeber

Darf meine Ex-Frau mit unserem Sohn einfach umziehen?

Bei unserer Trennung war unser Sohn ein Jahr alt. Inzwischen sind wir seit vier Jahren geschieden. Der Junge hat immer bei seiner Mutter gewohnt. Ich hatte ihn jedes zweite Wochenende bei mir. Plötzlich teilte sie mir mit, dass sie nach Frankfurt umgezogen sei. Ich habe meinen Sohn im letzten halben Jahr nur zweimal gesehen. Zuletzt hat er mir erzählt, dass er jetzt auf eine Waldorfschule geht. Ich bin damit gar nicht einverstanden. Habe ich irgendwelche Rechte?

Peter R., Charlottenburg

Ihre geschiedene Frau hat sich beim Umzug Ihres Sohnes nicht korrekt verhalten. Sie selbst kann natürlich leben, wo sie will. Das gilt aber nicht für Ihren Sohn. Obwohl die Eltern geschieden sind und obwohl der Sohn praktisch seit seiner Geburt von der Mutter betreut worden ist, haben beide Eltern die elterliche Sorge. Über alle wichtigen Dinge müssen sie gemeinsam eine Entscheidung finden. Ihre frühere Frau hätte sich deshalb mit Ihnen abstimmen müssen. Notfalls hätte sie eine Entscheidung des Familiengerichts beantragen müssen. Vorher hätte sie den Sohn nicht nach Frankfurt bringen dürfen.

Im Ergebnis wird dieser Verstoß Ihrer früheren Frau aber keine Konsequenz haben. Sie hat sich nicht strafbar gemacht. Sie können aber nachträglich noch eine gerichtliche Entscheidung beantragen. Das Gericht müsste dann darüber entscheiden, ob es dem Wohl Ihres Sohnes mehr entspricht, in Berlin beim Vater zu leben oder in Frankfurt bei der Mutter. Es ist wenig wahrscheinlich, dass das Gericht dabei zu dem Ergebnis kommt, dass der Sohn zurück nach Berlin zum Vater zu bringen ist. Dass es für Sie schwerer geworden ist, Ihren Sohn zu sehen, werden Sie in Kauf nehmen müssen.

Anders verhält es sich aber mit der Schule. Auf welche Schule ein Kind geht, ist eine für sein Leben ganz besonders wichtige Entscheidung. Das bleibt die gemeinsame Verantwortung der Eltern. Sie müssen mit ihrer früheren Frau zu einem gemeinsamen Beschluss kommen. Sollte eine Einigung scheitern, muss das Familiengericht darüber entscheiden.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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