Umfrage

40 Tage Zeit für den Neubeginn

Rund 40 Tage dauert die Fastenzeit vor Ostern. In den sieben Wochen vor dem Osterfest nehmen sich viele Christen mehr Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet, um sich selbst und Gott näherzukommen.

Zudem verzichten sie auf Speisen und Getränke wie Fleisch und Wein oder auch auf den Fernsehkonsum. Dies gilt als Symbol der Buße und der spirituellen Erneuerung. In der evangelischen Kirche beteiligen sich jedes Jahr mehr als zwei Millionen Teilnehmer an der Fasteninitiative "7 Wochen Ohne", um aus gewohnten Konsum- und Verhaltensweisen auszusteigen und neue Lebensziele zu finden.

Nach einer Umfrage hat jeder zweite Deutsche bereits mindestens einmal in der Fasten- oder Passionszeit für mehrere Wochen auf bestimmte Genussmittel oder Konsumgüter verzichtet. Über die Hälfte der Bayern (56 Prozent) und Baden-Württemberger (54 Prozent) wollen die Fastenzeit einhalten, während das nur für 42 Prozent der Befragten in Ostdeutschland ein Thema ist. Dabei würden zwei Drittel (67 Prozent) am ehesten Alkohol weglassen, wie aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) hervorgeht. 60 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen in den knapp sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern auf Süßigkeiten, 41 Prozent auf Fleisch und 35 Prozent aufs Rauchen verzichten. Fast jeder dritte Deutsche würde in der Fastenzeit sein Handy ausgeschaltet lassen, wobei dies deutlich mehr Frauen (34 Prozent) als Männer (27 Prozent) angeben. 22 Prozent der Befragten finden einen vorübergehenden Verzicht auf Computer oder Internet vorstellbar. Das Auto würden hingegen nur 13 Prozent stehen lassen.

Beim Fasten gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Mit 56 Prozent finden Frauen den bewussten Verzicht offenbar sinnvoller als Männer (49 Prozent). 70 Prozent der Männer würden am ehesten auf Alkohol verzichten, gefolgt von Süßigkeiten (56 Prozent) und Rauchen (40 Prozent). Frauen nennen Alkohol und Süßigkeiten mit 65 und 64 Prozent, gefolgt von Fleisch mit 46 Prozent.

Allerdings ist das Fasten nicht für jeden geeignet. Vor allem chronisch Kranke, Menschen mit Depressionen oder Essstörungen sollten das Vorhaben mit ihrem Arzt absprechen. "Wer seinem Körper oder seiner Psyche helfen möchte, sollte nicht nur an Verzicht und Verbote denken", sagt DAK-Gesundheitsexpertin Silke Willms. "Als Alternative bietet sich an, sieben Wochen lang bewusst etwas Gutes für sich zu tun. Das kann gesunde Ernährung sein oder gezielte Entspannung."

Die Vorbereitungswochen vor Ostern haben übrigens eine lange Tradition. Bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts wurde zur Buße und Besinnung auf Nahrung, insbesondere Fleisch, verzichtet. Biblisch festgehalten ist die Fastenzeit und Dauer im Alten wie im Neuen Testament. Dass die Fastenzeit rund 40 Tage dauert, ist kein Zufall. Theologen interpretieren die Zahl 40 als einen Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht.