Sprechstunde

Was bedeutet der Ausschlag unserer Tochter?

Antje R. aus Charlottenburg fragt: Unsere Tochter Maria (16) hat im Skiurlaub ziemlich viel Sonne abbekommen und einen Ausschlag im Gesicht entwickelt. Er ist rötlich und schuppig. Und der Kinderarzt hat nun Blut im Urin festgestellt. Was könnte das sein?

Sie sollten so schnell wie möglich einen Spezialisten für rheumatische Erkrankungen aufsuchen. Denn was Sie beschreiben, könnte die sogenannte Lupus erythemato sein, eine der schwersten Autoimmunerkrankungen. Erste Anzeichen sind rötlich-schuppender Hautausschlag, der sich vor allem auf den Wangen ausgebreitet hat und über die Nase eine Verbindung aufweist. Gleichzeitig finden sich in der Mundhöhle am Gaumendach rötliche Schleimhautveränderungen, die diesem Ausschlag entsprechen. Der Hautausschlag wird als Schmetterlingsröte bezeichnet. Die korrekte Diagnose heißt: Lupus erythematodes, übersetzt: der rote Wolf. Bereits die Namensgebung zeigt, dass es sich hier um eine schwere Erkrankung handeln könnte. Es kann bei dieser Krankheit sogar eine derart ungerichtete Attacke gegen den eigenen Körper auftreten, dass praktisch alle inneren Organe - allen voran die Haut, die Schleimhäute, die Gelenke, das Herz, die Nieren und das Gehirn - attackiert werden. Nicht selten kommt es auch zu Störungen der Blutbildung und zum vorzeitigen Zerfall von roten Blutkörperchen. Man stellt sich natürlich die Frage, ob eventuell das Sonnenbad hier eine auslösende Wirkung gehabt haben könnte. Es ist bekannt, dass Sonneneinstrahlung bei Menschen, die eine Neigung für diese Erkrankung haben, einen Hautausschlag hervorbringen und verstärken können. Die Neigung für diese Erkrankung basiert letztendlich auf verschiedenen genetischen Veränderungen, welche insbesondere in der Steuerung des Immunsystems dazu führen, dass eine Überaktivität dessen entstehen kann. Diese Variationen in unserer Erbsubstanz werden durch Vererbung weitergegeben. Allerdings müssen beim Lupus erythematodes mehrere solcher genetischen Neigungen oder Variationen zusammenkommen, damit insgesamt eine Neigung für diese sehr schwere Überaktivität entstehen kann.

Bei Maria ist es offenbar zu einer schweren Attacke zum einen auf die Haut, aber noch schwerwiegender auf die Niere gekommen. Daher scheidet das Mädchen Blut im Urin auch außerhalb der Zeiten ihrer Regelblutung aus. Die Niere ist letztendlich entzündet. In einem dafür spezialisierten Zentrum wird in einem ersten Schritt der Zustand des gesamten Körpers und der Organe sehr genau untersucht, um festzustellen, inwieweit noch andere Organe in den Entzündungsprozess mit einbezogen sind. Oft wird man eine Gewebsbiopsie mittels einer feinen Nadel aus der Niere durchführen, um genau einzuschätzen, welche Art von Entzündung die Niere erfasst hat. Davon hängt dann die mögliche medikamentöse Therapie ab. Diese beinhaltet in der Regel den Einsatz von Kortison. Aber es können auch sogenannte grundsätzlich das Immunsystem unterdrückende Medikamente (Basistherapeutika) oder auch in schweren Fällen eine Chemotherapie erforderlich sein, um die Niere zu heilen und ihre Funktion zu erhalten.

Sind eine Vielzahl von Organen betroffen, dann bezeichnet man die Erkrankung auch als systemische Verlaufsform des Lupus erythematodes. Die oben genannten therapeutischen Möglichkeiten bieten allerdings eine sehr gute Hilfe für die Betroffenen. Der Ausblick ist daher trotz der im Einzelfall lebensbedrohenden Auswirkung dann in der Regel doch positiv zu gestalten.

Hermann Girschick Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin