Essstörungen

Schönheitswahn im Kinderzimmer

Wenn das Gewicht des Kindes immer weiter zurückgeht und es den eigenen Körper fälschlicherweise als zu dick wahrnimmt, sollten bei Eltern die Alarmglocken läuten. Dies sind die wichtigsten Warnzeichen für eine ernst zu nehmende Essstörung, betont die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) in Berlin.

Bei Kindern und Jugendlichen sei der Gewichtsverlust dann kritisch, wenn mehr als 90 Prozent der Gleichaltrigen mehr wögen als der oder die Betroffene. Wird eine Essstörung chronisch, kann das in einigen Fällen tödlich enden, warnen die Fachleute.

Vor allem Mädchen und junge Frauen seien anfällig für Magersucht und Bulimie. Castingshows könnten die Tendenz zu diesen Essstörungen verstärken, warnt die DGPM. Einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) des Bayerischen Rundfunks zufolge empfinden sich viele weibliche Jugendliche, die solche Fernsehsendungen anschauen, als zu dick und sind unzufrieden mit ihrem Körper.

Nachwuchs nicht alleine lassen

Egal in welchem Alter sich Kinder Sendungen wie "Germany's Next Topmodel" anschauen wollen: Eltern sollten sie dabei nicht alleine lassen, erläutern die Experten der Initiative "Schau hin". Am besten sei es, wenn Erwachsene einige Folgen gemeinsam mit ihrem Kind anschauten und darüber sprächen. Das bringe mehr, als dem Nachwuchs die Sendung grundsätzlich zu verbieten. Eltern sollten ihrem Kind dabei helfen, das Gesehene kritisch zu hinterfragen. Wichtig sei, ihnen deutlich zu machen, dass es bei Castingshows vor allem um die Unterhaltung der Zuschauer geht. Kinder sollten wissen, dass die Sendungen nicht die Realität abbilden. Bei Modelshows sollten Eltern mit ihren Kindern detailliert über die gezeigten Schönheitsideale sprechen. Denn gerade in der Pubertät sei es wichtig für Jugendliche zu wissen, dass in den Sendungen oft übertriebene und einseitige Vorstellungen über Schönheit vermittelt werden.

Während bei einer Magersucht die Betroffenen weitgehend auf Nahrung verzichten, diese erbrechen, exzessiv Sport treiben oder Abführmittel nehmen, ist eine Bulimie gekennzeichnet durch einen Teufelskreis aus übermäßigem Essen, Erbrechen und Fasten. Beide Essstörungen können schwere körperliche und seelische Folgen haben, betonen die Fachleute. Magersucht zum Beispiel beeinträchtige die Knochendichte, das Längenwachstum und die Hirnreifung. Die Behandlung sei langwierig und erfordere oft einen Klinikaufenthalt. Die DGPM empfiehlt insbesondere eine Psychotherapie, die auf die jeweilige Störung ausgerichtet ist. Dabei sollen die Betroffenen lernen, wieder normal zu essen und die mit der Krankheit verbundenen Probleme zu lösen. Etwa zwölf Prozent der Betroffenen überlebten ihre Magersucht nicht, nur die Hälfte der Patientinnen werde geheilt.

Mehr Infos und Tabellen zur Gewichtsüberprüfung: http://dpaq.de/pYjmG