Ratgeber

Kann ich mit meinem neuen Lebenspartner ein Haus kaufen?

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Ich habe mit meinem neuen Lebenspartner die Absicht, ein Haus zu kaufen. Ich bin aber noch verheiratet, obwohl ich von meinem Mann schon lange getrennt lebe. Kann mir mein Ehemann verbieten, dass ich das Haus kaufe, oder hat er daran irgendwelche Ansprüche? Tanja S., Kreuzberg

Sie leben mit Ihrem Mann im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Dieser Güterstand ist wirksam allein deshalb, weil Sie verheiratet sind. Ob Sie getrennt leben, spielt hierfür keine Rolle. Der Güterstand endet erst, wenn Sie geschieden sind.

Trotzdem steht es Ihnen frei, mit Ihrem neuen Lebensgefährten ein Haus zu kaufen. Ihr Ehemann hat auch mit Sicherheit keine Rechte an diesem neuen Haus. Obwohl der gesetzliche Güterstand als Zugewinngemeinschaft bezeichnet wird, ist er doch eigentlich keine Gemeinschaft. Jeder der beiden Eheleute hat sein eigenes Vermögen, das ihm allein gehört. Dieses eigene Vermögen kann auch jeder selbstständig verwalten, ohne den anderen fragen zu müssen. Wenn Sie ein Haus kaufen, wird Ihr Ehemann deshalb nicht etwa Miteigentümer, sondern das Haus gehört Ihnen ganz allein oder eben Ihnen und Ihrem neuen Partner.

Trotzdem wird der Kauf nicht ganz unproblematisch sein, solange Sie noch verheiratet sind. Eines Tages wird Ihre Ehe möglicherweise geschieden werden. In dem Moment entfaltet die Zugewinngemeinschaft ihre Wirkung. Dann wird bei jedem der Eheleute ermittelt, welchen Vermögenszuwachs er während der Ehe hatte. Wer den höheren Zugewinn hatte, muss dem anderen die Hälfte der Differenz abgeben. Bei diesem Zugewinn spielt auch das neue Haus eine Rolle, das Sie kaufen wollen. Allerdings ist es letztlich unwahrscheinlich, dass Ihnen dadurch eine Verpflichtung entsteht. Allein durch den Kauf eines Hauses werden Sie ja nicht reicher, weil Sie dafür den Kaufpreis bezahlen müssen. Wahrscheinlich sind Sie sogar zunächst etwas ärmer, weil Sie ja neben dem Kaufpreis auch die Gebühren für den Notar und die Grunderwerbsteuer zahlen mussten. Ein Zugewinn entsteht Ihnen nur dann, wenn das Haus bis zur Scheidung eine erhebliche Wertsteigerung erfahren hat. Das ist in einem kurzen Zeitraum nicht sehr wahrscheinlich.

Schließlich müssen Sie noch eines beachten: Wenn Sie Ihre ganzen Ersparnisse in das neue Haus stecken, dann brauchen Sie die Zustimmung Ihres Mannes. Der andere Ehegatte muss immer gefragt werden, wenn durch ein Geschäft das ganze Vermögen betroffen ist. Im Zweifel können Sie die Zustimmung Ihres Mannes aber erzwingen.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht