Bevölkerungsentwicklung

EU will "aktives Altern" fördern

Wird Europa zum Altenheim? Seit 1980 altert Europa immer schneller. Liegt der Altersdurchschnitt in den 27 EU-Staaten heute bei etwa 41 Jahren, so wird er Berechnungen zufolge 2060 bei 48 Jahren liegen.

Schon jetzt sind 87 Millionen (17 Prozent) der Bürger im Staatenbund über 65, so viel wie die Bevölkerung von Deutschland und Dänemark zusammen. Deshalb hat die EU 2012 zum Themenjahr des aktiven Alterns ausgerufen. Ziel ist es, europaweit einen positiven Umgang mit dem Alter zu finden. Am Montag hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) das Jahr in Berlin eröffnet. Sie betonte, aktives Altern bedeute, für sich selbst und für andere Verantwortung zu übernehmen.

Die EU will düsteren Zukunftsprognosen vom "Altenheim Europa" entgegentreten. Das Bild vom vergreisten Kontinent stimme nicht mehr, betonen Experten. Ihr Hauptargument: Die Alten sind heute gesünder und meist auch aktiver als früher. Längst unterteilt die Wissenschaft das Altwerden in die Phase des "Dritten Alters" bei fast unveränderter Fitness und des "Vierten Alters" etwa ab 80 Jahren, wenn die Gebrechen spürbar werden. Auch gebe es keine Anzeichen für einen "Krieg der Generationen". Alle Studien sprächen dafür, dass Familien weiter gut zusammenhalten, erklärt die Gerontologin Christiane Kaiser aus der Deutschen Geschäftsstelle des Themenjahres. Aktive Alte, deren Fähigkeiten anerkannt werden, trügen zur "Solidarität zwischen den Generationen" bei. Dieses Ziel wurde dem Themenjahr als Zusatz angegliedert, erläutert Kaiser.

Im Vergleich zu den Nachbarn sei Deutschland in der Seniorenpolitik weit entwickelt, urteilt Kaiser. Seit 1991 führt das Familienministerium die Ergänzung "für Senioren" im Namen, 1993 erschien europaweit der erste "Bericht zur Lage der älteren Generation" der Bundesregierung. Inzwischen liegt schon der sechste Altenbericht vor. Auch das Themenjahr löste in Deutschland große Resonanz aus. Über 300 Bewerbungen um Fördergeld gingen ein. Ausgewählt wurden 46 Initiativen, die die Bundesregierung mit insgesamt 900 000 Euro fördert.