Sicherheit

Im Alter aufs Auto verzichten ist schwer

Für Ältere ist es ein schwerer Schritt, sich einzugestehen, dass sie besser aufs Autofahren verzichten sollten. "Der Zeitpunkt, wann ein älterer Mensch zum Autofahren nicht mehr geeignet ist, lässt sich in der Regel nicht genau bestimmen, das ist meist ein schleichender Prozess", erklärt Prof. Bernhard Schlag, Verkehrspsychologe von der Technischen Universität Dresden.

Darin liegt das Dilemma: Die Erkenntnis, am Steuer womöglich zum Sicherheitsrisiko zu werden, fällt extrem schwer. Dabei würde mehr als jeder Zweite in Deutschland (59 Prozent) den Führerschein freiwillig abgeben, wenn er sich nicht mehr fahrtauglich fühlt. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergeben.

Mitunter dürfte aber eine falsche Selbsteinschätzung die nötige Einsicht verhindern. Vorboten für eine Fahruntauglichkeit können die Meidung von Nachtfahrten sein oder Fehler, die dem Fahrer früher nicht unterlaufen sind. "Es ist ganz natürlich, dass die Sensorik im Alter nachlässt", betont Psychologe Schlag. Augen, Ohren und das Reaktionsvermögen werden mit den Jahren schlechter. Blendempfindlich können Menschen sogar schon ab 40 Jahren werden. Viele Senioren fahren deshalb bewusst etwas langsamer oder nur noch vertraute Strecken. "Das ist einerseits natürlich sinnvoll, um das Unfallrisiko zu verringern", sagt Schlag. Auf der anderen Seite sei damit ein Punkt erreicht, um mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Wer sich frühzeitig mit dieser Frage auseinandersetze, könne in Ruhe nach Alternativen suchen und sich zum Beispiel mit den Möglichkeiten öffentlicher Verkehrsmittel vertraut machen. Trotz aller Vernunft entscheiden sich wohl nur die wenigsten im Alter aus freien Stücken gegen ihr Auto, obwohl sie ahnen, dass es besser wäre. Selbst in den besten Familien kann das Thema Autoverzicht deshalb zu heftigen Auseinandersetzungen führen. "Eine gute Hilfe kann der Hausarzt sein", empfiehlt Schlag. Wenn Angehörige den Arzt im Vertrauen über ihre Bedenken informieren, kann dieser mit seinem Patienten bei der nächsten Behandlung über die Risiken des Autofahrens im Alter sprechen.