Theater

Alte und junge Rattenfänger

Laura, Neele und Lea sind gerade neun Jahre alt - ihre Kollegen auf der Bühne haben zum Teil schon die 70 überschritten. Beim "Theater der Erfahrungen" des Nachbarschaftsheims Schöneberg e.V. ist das das Konzept.

Jung und Alt treffen aufeinander. Gemeinsam mit Lichtenrader Kindern hat die Seniorentheatergruppe "Fallobst" monatelang den "Rattenfänger von Hameln" eingeübt. Premiere war jetzt bei einem Workshop, bei dem Theaterpädagogen, Lehrer, Erzieher und Seniorenbetreuer lernen wollten, wie jüngere und ältere noch besser voneinander profitieren kann.

"Es ist voll super, mit alten Leuten zusammen Theater zu machen", sagt Laura. "Auch, weil die auch manchmal so vergesslich sind wie wir Kinder. Sie verdrehen was oder vergessen ihren Text. Mit manchen haben wir uns richtig angefreundet. Ein Projekt also, das beispielhaft für die Zusammenarbeit von jungen Menschen und Senioren ist. Auch deshalb wurde es beim Workshop "Schule des Lebens - Fachgespräch zur intergenerativen Theaterarbeit" im Kulturzentrum Babel e.V. in Hellersdorf aufgeführt. Gespannt beobachteten die Teilnehmer in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Raum, wie Jung und Alt auf der Bühne agierten. Dass sie unheimlich viel Spaß miteinander haben. Dass die Kinder den Text flüstern, wenn die älteren Kollegen ihn gerade mal nicht parat haben. Und auch, dass die Senioren die Kinder beruhigend am Arm halten, wenn gerade mal wieder das Licht ausfällt. Denn darum dreht es sich alles bei dieser Veranstaltung: Die Zusammenarbeit von alten und jungen Schauspielern. "Wir wollen erreichen, dass die Teilnehmer Anregungen und Kriterien für ihre eigene Arbeit mitnehmen", sagt Theaterpädagoge Dieter Bolte, der einen der Workshops leitet. "Wir arbeiten die Differenzen heraus, die sich bei der Arbeit mit Senioren und Kindern ergeben. Häufig wollen Kinder lieber richtig spielen, in Rollen schlüpfen, sich als Tiere verkleiden. Während das Schauspiel der Senioren eher einen Bezug zum Erlebten, zu bestimmten Erfahrungen oder der eigenen Lebenswelt herstellen soll."

Diese Differenzen erfährt Eva Bittner, Leiterin des "Theaters der Erfahrungen" bei jeder gemeinsamen Probe. Und die gilt es zu überwinden. Denn die beiden Gruppen haben auch sehr viel gemeinsam. Das Kaffeekränzchen mit gemütlichem Plausch nach der Probe etwa gefällt sowohl Achtjährigen als auch 80-Jährigen. "Es geht halt auch darum, Inhalte zu finden, die Junge und Alte gleichermaßen begeistern", sagt sie. Mit dem "Rattenfänger von Hameln" ist das gelungen. "Und das wäre noch auf viel mehr Ebenen möglich", sagt sie, "doch meistens fehlt leider die Vernetzung." Sie hofft, dass der Workshop hier für eine Verbesserung sorgt. "Denn hier konnten wir uns alle mal austauschen."