Ratgeber

Gibt es Kooperationen zwischen Kitas und Grundschulen?

Meine Tochter ist fünf Jahre alt und besucht noch die Kita, wird aber nach den Sommerferien eingeschult. Welche Möglichkeiten gibt es, schon jetzt die Grundschule des Einzugsgebiets kennenzulernen, um den Kindern den Übergang zu erleichtern? Gibt es Projekte zur Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen? Lena W. aus Schöneberg

Nach dem Pisa-Schock im Jahr 2000 hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Bildungsprozess nicht erst mit dem Eintritt in die Schule beginnt, sondern viel früher. Damit rückten auch die Kindertagesstätten (Kitas), die vorschulische Erziehung und der Übergang von der Kita in die Grundschulen in den Blickpunkt der bildungspolitischen Diskussionen. Das neue Schulgesetz aus dem Jahr 2004 hat darauf reagiert, indem es die Grundschulen zu Kooperationen mit außerschulischen Institutionen wie Bibliotheken, Sportvereinen, aber insbesondere auch mit den Kitas verpflichtet (§ 5 Schulgesetz).

Spätestens mit der Anmeldung müssen die Eltern "über die Organisation der verlässlichen Halbtagsgrundschule und des Ganztagsangebots, das Schulprogramm sowie das Fremdsprachenangebot der Schule" informiert werden (§ 4 II Grundschulverordnung). Wünschenswert wäre es, wenn Grundschulen neben dem obligatorischen Tag der offenen Tür weitere Möglichkeiten des Kennenlernens der Schule anbieten, zum Beispiel den gemeinsamen Besuch einer ganzen Kita-Gruppe an einem oder mehreren Vormittagen oder einzelnen Schulveranstaltungen.

Vereinzelt wird dies bereits praktiziert, am besten fragen Sie hierzu Ihre Kita-Leitung. Ein respektvoller Austausch und gegenseitige Hospitationen von Erziehern und Lehrern können auch dazu beitragen, die unterschiedlichen Anforderungen sowie Zielsetzungen zu verdeutlichen und miteinander abzustimmen, um so den Übergang für die Kinder möglichst fließend zu gestalten. Die Schulen sind gut beraten, sich in diesem Sinne ihrem sozialen Umfeld zu öffnen, dies gelingt allerdings zuweilen nur unzureichend. Zum einen fehlen vielen Schulen die notwendigen personellen und zeitlichen Ressourcen, zuweilen mangelt es auch noch an einer wertschätzenden Anerkennung der Arbeit der Erzieher. Tatsächlich ist die Qualität ihrer Arbeit unterschiedlich.

Viele Kinder sehen die Einschulung ihrerseits meist weniger sorgenvoll als ihre Eltern, wird sie doch von ihnen eher als spannender Entwicklungsschritt hin zum "Groß werden" empfunden.

André Nogossek ist Mitglied im Landeselternausschuss Berlin

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