Sprechstunde

Wie werden wir nur die Läuse wieder los?

Julia S. aus Charlottenburg fragt: Der Kindergarten meiner vierjährigen Tochter rief an und meinte, ich solle sie abholen, denn sie habe Läuse. Überall krabbelt es auf ihrem Kopf. Ich bin ganz verzweifelt, was soll ich nur tun?

Der Kopflausbefall hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Der Befall mit einer Kopflaus ist derartig ansteckend, dass auch Menschen befallen werden, die täglich duschen und gute Hygienemaßnahmen einhalten.

Läuse sind etwa zwei bis drei Millimeter groß und können weder fliegen noch schwimmen. Ansteckung gibt es bei engem Kontakt, bei dem die Läuse ihren Wirt wechseln können. Deshalb sind vor allem Kleinkinder befallen, denn diese toben und spielen zusammen im Kindergarten. Auch eine Mütze kann mal schnell vertauscht werden. So hat es die Laus leicht, von einem Kopf zum anderen zu gelangen. In Europa ist die Kopflaus sehr verbreitet.

Die Läuse sitzen gern im Bereich von besonders dünner Haut, nämlich hinter den Ohren, an den Schläfen oder im Nacken. Dort saugen sie mit stechend saugenden Greifzangen zwei- bis dreimal täglich Blut aus der Kopfhaut. Ihr Speichel führt zu außerordentlichem Juckreiz, so dass über diesen häufig die Diagnose gestellt wird.

Täglich legt die weibliche Laus etwa drei bis vier Eier unmittelbar über der Hautoberfläche an den Kopfhaaren ab und befestigt diese mit einem klebrigen Sekret. Dies sind die sogenannten Nissen. Nach ihrer Lebenszeit von vier bis fünf Wochen hat eine Laus somit etwa 100 bis 250 Eier gelegt und damit eine neue sich wieder vermehrende Lausgeneration geschaffen. Während die Läuse - insbesondere wenn es nur wenige sind - häufig schwer zu finden sind, verwechselt man die Nissen häufig mit Schuppen. Allerdings sind Nissen deutlich schwerer zu entfernen. Was können Sie nun also tun?

Suchen Sie Ihren Arzt auf: Während alternative Mittel keinen wirklichen Nachweis der Wirksamkeit erbracht haben, gibt es gute Anti-Lausmittel, die jedoch gerade bei Babys und Kleinkindern unter ärztlicher Begleitung angewendet werden sollten.

Meist werden Medikamente verwendet, welche die Atemwerkzeuge der Laus lähmen. Die Mittel werden auf das zuvor gewaschene feuchte Haar einmassiert und sollen etwa 30 Minuten einwirken. Anschließend werden die Haare mit einem Läusekamm ausgekämmt und in den folgenden drei Tagen nicht noch einmal gewaschen. Die Behandlung sollte nach etwa acht Tagen wiederholt werden, da insbesondere Nissen überleben und somit neue Läuse schlüpfen können. Mit dem Nissenkamm sollte man die Haare häufiger auskämmen, am besten an Tag 1 und 5, nach der zweiten Behandlung an Tag 8, am 13. und 17. Tag. Gut ist es, vorher eine Essigspülung durchzuführen (zwei Teile Wasser, ein Teil Essig), dann sind die Nissen leichter lösbar. Auch die Verwendung von Pflegespülung ist sinnvoll, zum einen kann man die Haare dann besser durchkämmen, zum anderen können sich die Läuse in der Pflegespülung nicht bewegen.

Absolut wichtig: die Behandlung der ganzen Familie und die Entlausung der Umgebung! Läuse sterben, wenn sie mit 60 Grad in der Maschine gewaschen werden. Spielzeug kann man für 14 Tage in einen eng verschlossenen Plastikbeutel packen, dann verhungern die Läuse. Bettwäsche und Handtücher sind täglich zu wechseln. Für den Kindergarten brauchen Sie ein Attest von Ihrem Arzt.

Beatrix Schmidt ist Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin