Sozialpolitik

Mittelstand zeigt kaum Interesse an Familien-Pflegezeit

Die neue Familien-Pflegezeit findet im Mittelstand kaum Anklang. "Bisher haben nur sehr wenige Klein- und Mittelbetriebe Interesse am neuen Familienpflegezeitgesetz bekundet", sagte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat auch bisher schon jeder dritte Betrieb Auszeiten zur Pflege ermöglicht.

Zum Jahreswechsel trat das erneuerte Gesetz zur Familien-Pflegezeit in Kraft. Beschäftigte können nun für maximal zwei Jahre ihre Arbeitszeit reduzieren, um nahe Angehörige zu pflegen. Um in dieser Zeit abgesichert zu sein, erhalten sie von ihrem Arbeitgeber eine höhere Vergütung, als ihnen aufgrund ihrer geleisteten Arbeitsstunden zustünde. Nach Ende der Pflegezeit müssen sie dafür so lange zu geringeren Bezügen arbeiten, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist. Der Arbeitgeber kann seinen finanziellen Ausfall über ein zinsloses staatliches Darlehen decken, das er nach der Pflegezeit wieder zurückzahlt. Das Gesetz bürde gerade Kleinunternehmen erheblichen organisatorischen Aufwand auf und berge außerdem finanzielle Risiken, da die Arbeitgeber die Pflegephase eines Mitarbeiters vorfinanzieren müssen, kritisierte Ohoven. Sein Verband plädiere "für Regelungen auf betrieblicher Ebene". Die Deutsche Telekom und die staatliche Förderbank KfW kündigten an, ihren Beschäftigten die Möglichkeit zur Familien-Pflegezeit zu eröffnen. Einen Rechtsanspruch auf die neue Familienpflegezeit gibt es nicht.