Ratgeber

Muss ich das Begräbnis meiner Eltern zahlen, obwohl ich nicht erbe?

Leider habe ich seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Daher möchte ich im Fall ihres Todes das Erbe ausschlagen. Wie verhält es sich mit der Ausschlagungsfrist, wenn ich zunächst nichts und dann irgendwann vom Ableben erfahre? Habe ich bei Ausschlagung etwas mit den Beerdigungskosten zu tun? Uli St., per E-Mail

Sie haben über die Gründe, warum kein Kontakt mehr zu Ihren Eltern besteht, nichts berichtet. Der fehlende Kontakt zu Lebzeiten ist eigentlich kein Grund, nach dem Tod die Erbschaft auszuschlagen. Wenn Ihre Eltern Ihnen nichts vererben wollen, dann werden sie sicher in einem Testament andere Erben bestimmen. Auf jeden Fall wird es sinnvoll sein abzuwarten, ob Ihre Eltern Ihnen etwas hinterlassen haben und was das ist. Ohne diese Kenntnis ist es jetzt nicht schon sinnvoll, dass Sie sich auf eine Erbausschlagung festlegen.

Wenn Sie sich entschließen, das Erbe auszuschlagen, haben Sie nach dem Tod eines jeden Ihrer beiden Eltern genügend Zeit dazu. Die Ausschlagungsfrist beträgt zwar nur sechs Wochen. Die Frist beginnt aber erst zu laufen, wenn Ihnen bekannt geworden ist, dass ein Elternteil gestorben ist und dass Sie dessen Erbe geworden sind. Es kann also nicht passieren, dass Sie vom Tod Ihrer Eltern gar nichts erfahren und allein deshalb die Ausschlagungsfrist versäumen. Wenn Sie ausschlagen wollen, müssen Sie dafür zu einem Notar gehen und die Ausschlagung unterzeichnen. Der Notar muss dieses Schriftstück innerhalb der Sechs-Wochen-Frist beim Gericht eingereicht haben.

Für die Begräbniskosten Ihrer Eltern sind Sie unter Umständen auch dann haftbar, wenn Sie das Erbe ausschlagen. In erster Linie ist allerdings der Nachlass dafür zu verwenden. Wenn Sie ausgeschlagen haben, ist jemand anderes zum Erben berufen und hat diese Pflicht dann zu erfüllen. Es kann allerdings sein, dass der Nachlass so dürftig ist, dass er nicht einmal für die Begräbniskosten ausreicht. In diesem Falle werden die Kinder des Verstorbenen herangezogen. Diese Kosten gehören zum Unterhalt, den Kindern Ihren bedürftigen Eltern schulden. Wenn mehrere Kinder vorhanden sind, hat jeder anteilig die Kosten zu tragen. Vermutlich würde zunächst das Sozialamt für das Begräbnis sorgen und auch die Kosten tragen. Allerdings ist das Sozialamt gehalten, sich die Kosten von den Kindern des Verstorbenen erstatten zu lassen.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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