Neuseeland

Advent im Sommer, Erdbeben und ein Geburtstag

Es hat schon wieder ein Erdbeben gegeben. Erst hat es gekracht, als wäre ein Auto auf unser Dach gefallen, und plötzlich fing das Haus wie verrückt an zu wackeln. Als es fertig war, hab ich angefangen zu lachen. Meine Familie hat erst mal gecheckt, ob es allen gut geht. Seit dem großen Beben in Christchurch sind alle vorsichtig geworden.

Am Wochenende werde ich meinen Geburtstag nachfeiern, zusammen mit meinem Gastbruder Steven, der ist zwei Wochen vor mir 17 geworden. Wir werden mit Freunden an den Strand fahren, Fish and Chips essen und schwimmen gehen. Im Dezember! Ich habe seit vier Wochen Sommerferien. In den ersten beiden Wochen gab es für uns international students Ausflüge rund um Wellington und dann war ich eine Woche lang auf der Südinsel. Im Moment vermisse ich meine beiden besten Freundinnen in Berlin, Sophie und Klara, ganz doll. Es ist kurz vor Weihnachten, normalerweise wäre es jetzt kalt, wir würden einen Videoabend machen und die Nacht durchquatschen. Oder auf den Weihnachtsmarkt gehen, das gibt's hier nicht. Dieser Geruch nach gebrannten Mandeln, oder Glühwein, der so schön wärmt. Die Neuseeländer kennen nicht mal Nikolaus, das habe ich ihnen erst mal erklärt. Ich hab auch einen Adventskranz gebastelt, aus Styropor und Kerzen, sieht komisch aus, aber funktioniert. Meine Mutter hat mir einen Adventskalender geschickt. Meine Weihnachtsgeschenke sind auch schon angekommen!

Ich wollte ja eigentlich nicht, dass mich meine Eltern besuchen, weil das hier mein Ding ist. Aber sie haben mir dann vorgeschwärmt, dass sie sonst auf eine Insel in der Karibik fahren, bis ich ja gesagt hab. Wir werden für zweieinhalb Wochen auf die Südinsel fahren, Steven kommt auch mit. Am 30. Dezember kommen sie an, aber Silvester hab ich schon was vor. Da gehe ich mit Hannah auf ein Konzert in Wellington, das schenke ich ihr zu Weihnachten. Danach passiert aber nicht mehr viel, Silvester ist hier kein großes Ding.

Weihnachten feiere ich in meiner Gastfamilie, wir sind dann zehn Leute. Den Weihnachtsbaum haben wir schon aufgestellt, das ist so ein mickriges Plastikding mit bunten Lichtern und irgendwelchem Krimskrams. Am 24. singen wir abends in der Kirche. Früher war das von 23 Uhr bis Mitternacht, also bis in Neuseeland Weihnachten ist. Aber weil das den alten Leuten zu spät war, ist es jetzt früher. Danach geht man heim und schläft und am nächsten Morgen liegen die Weihnachtsgeschenke unterm Baum. Bei uns gibt's einen riesigen Brunch mit Hunderten von Salaten, ganz viel Fisch, wahrscheinlich auch Truthahn. Ich weiß gar nicht, wie wir das alles runterbekommen wollen. Ich werde dann mit meinen Eltern in Kreuzberg skypen, bei denen ist dann Heiligabend. Sie werden zwei Stockwerke höher sein, bei meiner besten Freundin Sophie und ihren Eltern. Den restlichen Weihnachtstag werde ich dann wohl mit Verdauen verbringen.

Die Schülerin schreibt in unregelmäßigen Abständen über ihr Austauschjahr in Neuseeland.