Ratgeber

Muss ich für meinen angeblichen Sohn wirklich Bafög zahlen?

Ich stehe im 74.Lebensjahr und habe nur eine kleine Rente. Das Bafög-Amt Kiel will von mir einen Anteil am Studium meines 21-jährigen Sohnes. Diesen Sohn habe ich nur im Alter von acht Jahren einmal gesehen. Meine langjährigen mühsamen Kontaktversuche wurden von seiner Mutter alle blockiert und hintertrieben. Meinen Sohn konnte ich nicht kennenlernen.

Außerdem bezweifele ich den vor 21 Jahren erfolgten Gentest, der mich als Erzeuger auswies. Ich würde den Gentest gerne wiederholen lassen. Ich bekomme aber von der Familie keine Antwort.

Ulrich G., Wilmersdorf

Ihr Sohn erhält offenbar für sein Studium Bafög. Das Amt hat grundsätzlich Recht, wenn es von Ihnen Ersatz dafür verlangt. Es kann die Ansprüche geltend machen, die eigentlich Ihr Sohn hätte. Sie schulden Ihrem Sohn Unterhalt, auch wenn Sie ihn nie kennengelernt haben. Wenn die Mutter jeden Kontakt mit Ihnen hintertrieben hat, ist das sicher nicht in Ordnung. Sie können das aber nicht Ihrem Sohn vorhalten. Mit dieser Begründung können Sie deshalb eine Unterhaltszahlung nicht verweigern.

Trotzdem entsteht nicht automatisch eine Unterhaltspflicht. Sie haben einen Anspruch darauf zu erfahren, welchen Ausbildungsweg Ihr Sohn bisher gegangen ist und wie seine Studienpläne aussehen. Einen Unterhaltsanspruch hat er gegenüber seinem Vater nur, wenn er die Ausbildung zügig vorangebracht hat und sie seiner Begabung entspricht. Er muss außerdem die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Mutter offenlegen, denn beide Eltern sind anteilig im Verhältnis ihrer Leistungsfähigkeit für den Unterhalt verantwortlich.

Die Unterhaltspflicht setzt natürlich voraus, dass der Junge überhaupt Ihr Sohn ist. Wenn Sie Zweifel daran haben, dann eröffnet das Gesetz neuerdings eine recht einfache Möglichkeit, das zu überprüfen. Sie können sowohl von Ihrem Sohn wie von dessen Mutter verlangen, dass beide geeignete Genproben zur Verfügung stellen. Sie können damit dann von einem geeigneten Institut feststellen lassen, ob Sie der Vater sind oder nicht. Dieses Recht der Überprüfung steht Ihnen auch dann zu, wenn vor 21 Jahren Ihre Vaterschaft schon einmal festgestellt worden ist. Wenn die neue Genprobe ergeben sollte, dass Sie nicht der biologische Vater Ihres Sohnes sind, dann können Sie beim Familiengericht einen Anfechtungsantrag stellen. Erst wenn das Gericht festgestellt hat, dass Sie nicht der Vater sind, dürfen Sie die Unterhaltszahlung verweigern.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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