Sport

Aktuelle Studie: Senioren kämpfen sich mit Karate fit

Waltraud, Bärbel und Fritz laufen mit 24 anderen Senioren durch eine Sporthalle und machen Faustschläge in die Luft. "Gesine, du sollst gehen, nicht stehen bleiben", kommandiert Karate-Meister Peter Emmermacher. "Zuki" für Faustschlag, "Hajime" für Los oder "Yame" für Stopp, gibt der Träger des dritten Meistergrads Dan Anweisungen auf Japanisch.

Es handelt sich aber nicht um einen Karate-Verein oder einen Selbstverteidigungskurs für Senioren. 16 Frauen und elf Männer im Alter von 63 bis 86 Jahren trainieren seit Anfang September an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg Karate. Die Sportler sind Teil der Studie "Sturzprophylaxe und Verbesserung von Lern- und Gedächtnisleistungen im Alter durch ostasiatische Kampfkunst" unter der Leitung der Sportwissenschaftlerin Kerstin Witte.

Dem 69-jährigen Rolf Theuss gefällt das Training zweimal in der Woche "ausgesprochen gut". Auch Ute Padler ist mit Feuereifer dabei und wiederholt die gelernten Übungen auch zu Hause. "Ich werde 70, aber Muskelkater habe ich keinen", sagt sie und lacht. Schwierige Übungen "klappen bei einigen sehr gut, andere können sich noch verbessern", sagte Emmermacher. Seiner Einschätzung nach haben sich Gleichgewichts- und Orientierungssinn der Senioren bereits verbessert. "Was wir in den letzten Trainingseinheiten gemacht haben, das ist schon recht anspruchsvoll. Da würden selbst junge Menschen richtig zu tun haben", sagt er.

Bei "Zenkutsu-Dachi", einer Vorwärtsstellung, bei der die Füße schulterbreit auseinander stehen und das Körpergewicht auf das vordere Bein verlagert wird, "schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe". Es wird einerseits das Gleichgewicht trainiert und andererseits die Oberschenkelmuskulatur gestärkt.

Was für einen jungen Menschen ganz normal sei, könne für Senioren große Herausforderung sein, sagt Witte. "Die Gefahr, im Alltag zu stürzen, nimmt im Alter zu." Vor Beginn des Trainings wurden die Studienteilnehmer im August auf ihre Reaktionsfähigkeit, Balance sowie Lern- und Gedächtnisleistungen hin getestet. Auch die Gangsicherheit wurde untersucht.

Bis Ende Januar läuft das Kampfsport-Training ihrer Seniorengruppe. Dann will sie mit neuen Tests beweisen, dass die über 60-Jährigen mittlerweile flüssiger gehen, auch wenn sie abgelenkt werden oder auf Hindernisse treffen.