Kinder

Stillsitzen ist ungesund - Sportunterricht reicht nicht

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Wenn Kinder lange still sitzen müssen, fangen sie an, auf dem Stuhl umherzurutschen oder zu kippeln.

Das sei notwendig, sagt der Sport- und Bewegungswissenschaftler Dieter Breithecker. Er spricht von "gesunder Bewegungsunruhe", die unverzichtbar sei für die geistige und körperliche Entwicklung von Heranwachsenden. Unter Fachleuten ist unstrittig, dass Kinder einen natürlichen Bewegungsdrang haben. "Bewegung ist ein Grundbedürfnis - wie Essen, Trinken und Schlafen", sagt Breithecker. Kinder erkunden ihre Umwelt durch körperliche Aktivität. Sie hüpfen, springen oder balancieren und fördern dabei ihr Koordinationsvermögen, motorische und kognitive Fähigkeiten sowie ihre Sozial- und Risikokompetenz. In mehreren Untersuchungen kamen Forscher zu dem Ergebnis, dass Bewegung klug macht. "Kinder lernen besser durch körperliche Aktivität", sagt Breithecker, der auch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung in Wiesbaden leitet.

Wenn ein Kind im Unterricht kippelt, aktiviert es den Körper, damit es spezielle Botenstoffe und Sauerstoff bekommt, um wach sein zu können", erklärt der Sportwissenschaftler. "Kinder haben deshalb im Grundschulalter, bis zum elften, zwölften Lebensjahr, ein Bedürfnis, sich zu bewegen. Man muss sie gar nicht großartig motivieren, sondern vernünftige Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen." Doch Spaß am Sport und die Lust an Bewegung kämen in der Erziehung oft zu kurz, sagt der Vorsitzende der Sportjugend Rheinland-Pfalz, Thomas Biewald. Dies spürten auch die Vereine durch sinkenden Zulauf. "Die Sportvereine konkurrieren mittlerweile mit der Playstation um die Freizeit der Kinder."

Durchschnittlich sind Kinder und Jugendliche 50 Minuten am Tag sportlich aktiv, wie der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts 2007 ergab. Nur ein Drittel der Kinder erreichte die empfohlene Untergrenze von 60 Minuten sportlicher Aktivität. Die Sportstunde reicht nicht aus, um Bewegungsdefizite auszugleichen. Auch während des Unterrichts in anderen Fächern sei Bewegung wichtig, sagt Breithecker. Das Problem sei aber, dass selbst Lehrer und Erzieher häufig zu wenig wüssten über die Bewegungsbedürfnisse von Kindern. "Oft wird von der Sicht des Erwachsenen ausgegangen. Kinder brauchen aber viel mehr Bewegung als Erwachsene. Fünf- bis Neunjährige können höchstens zehn Minuten still sitzen, Zehn- bis Zwölfjährige etwa 15 Minuten. Das muss der Maßstab sein", betont er.

( dapd )