Sprechstunde

Mein Sohn hat oft Bauchschmerzen - woran kann das liegen?

Bertram G. aus Pankow fragt: Mein Sohn ist zwei Jahre alt und hat oft Bauchschmerzen. Im vergangenen Jahr fing es an. Anfangs war es noch nicht so schlimm, aber inzwischen hat er deutlich öfter und stärker Schmerzen. Es ist besonders stark, wenn er Mehlspeisen isst, zum Beispiel viele Kekse jetzt in der Vorweihnachtszeit. Er hat dann offenbar viel Luft im Bauch und muss sich hinlegen, irgendwann lassen die Schmerzen dann nach. Er hat auch manchmal Durchfall, aber das war dann nicht so schlimm und so lange. In meiner Familie gibt es jemanden, der eine sogenannte Zöliakie hat. Kann mein Sohn das auch haben?

Zunächst einmal kann man sagen, dass Ihre Sorge nicht ganz unberechtigt ist, Ihr Sohn könnte an einer Zöliakie erkrankt sein. Allerdings findet man die von Ihnen beschriebenen Beschwerden auch bei anderen, weniger schweren Erkrankungen. Manchmal haben Kinder auch zeitweise einen sehr empfindlichen Darm und neigen zu Bauchweh, ohne dass man eine Erkrankung feststellen kann.

Die von Ihnen angesprochene Zöliakie ist eine sehr besondere Erkrankung, da sie zum einen Teil angeboren ist, aber erst dann auftritt, wenn man mit bestimmten Nahrungsmitteln in Kontakt kommt. Hierbei handelt es sich um Bestandteile von Getreide, dem Gluten, das in Weizen, Gerste und Roggen vorhanden ist. Da Säuglinge mit Milch ernährt werden, tritt die Krankheit frühestens zum Ende des ersten Lebensjahres auf, wenn Kinder eine längere Zeit mit Getreideprodukten ernährt wurden. Durch den Kontakt mit Getreide entsteht eine Entzündung des Darms, die zu einer Schädigung der Darminnenwand führt, die dann die Nahrung nur noch schlecht aufnehmen kann. Die Entzündung und die gestörte Nahrungsaufnahme führen zusammen zu den typischen Symptomen. Hierbei sind vor allem Bauchschmerzen zu nennen, die oft mit Blähungen einhergehen, zum Teil heftige Durchfälle mit übelriechendem Stuhlgang und später ein schlechtes Gedeihen der Kinder, die dann manchmal ganz schmächtig werden und auch nicht mehr so gut wachsen. Wichtig ist, dass es zwar eine angeborene Veranlagung gibt, sich diese aber eher gering auswirkt. Eineiige Zwillinge sind oft beide betroffen, aber bei der Erkrankung eines entfernteren Familienmitglieds ist die Wahrscheinlichkeit selbst auch zu erkranken sehr gering.

Die Zöliakie kann über einen einfachen Bluttest ausgeschlossen werden. Hat man einen positiven Bluttest und die typischen Symptome, muss eine Darmspiegelung durchgeführt werde. Wenn sich eine Zöliakie nachweisen lässt, kann man durch eine Diät, in der man die Gluten enthaltenden Getreide vermeidet, die Entzündung des Darmes gut behandeln, und den Kindern geht es wieder sehr gut.

Auch wenn die Beschwerden, die Sie beschreiben, nicht so ausgeprägt sind wie in den meisten Fällen einer Zöliakie, sollten Sie mit Ihrem Sohn den Kinderarzt bzw. die Kinderärztin aufsuchen und gegebenenfalls mit Hilfe eines Bluttestes eine Zöliakie ausschließen lassen. Denn wenn Ihr Sohn doch eine Zöliakie haben sollte, könnte man ihm sehr gut helfen.

Heiko Krude ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin