Sprechstunde

Mein Kind wurde ohnmächtig. Muss ich mir Sorgen machen?

Karin F. aus Prenzlauer Berg fragt: Meine Tochter hatte eine kleine Platzwunde am Kinn, da sie im Badezimmer gestürzt ist. Ihr ist schwarz vor Augen geworden, sie wurde dann am Boden liegend wieder wach und war wieder ansprechbar. Ich bin mit ihr in die Notaufnahme gefahren. Was könnte denn da passiert sein?

Ihre Tochter hatte einen Ohnmachtsanfall (Synkope). Diese treten typischerweise bei älteren Kindern und Jugendlichen auf, bei Mädchen häufiger als bei Jungen. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine ungefährliche Kreislaufregulationsstörung.

Ohnmachtsanfälle können wiederholt auftreten und verschwinden meist mit Ende der Pubertät. Sie können auch durch Schmerzereignisse ausgelöst werden oder durch das Sehen von Blut (besonders bei Jungen und Männern!).

Ausgeschlossen werden muss, dass eine Unterzuckerung vorliegt oder dass es sich bei dem Ereignis um einen vom Gehirn ausgehenden Krampfanfall gehandelt hat. Nach einer genauen körperlichen Untersuchung sollten daher eine Messung des Nüchternblutzuckers (vor dem Essen), die Ableitung einer Herzstromkurve (EKG) und einer Hirnstromkurve (EEG) sowie eine Untersuchung der Kreislaufregulation im Liegen und Stehen (Schellong-Test) durchgeführt werden.

Synkopen sind in der Regel nicht gefährlich und bedürfen keiner medikamentösen Behandlung. Durch physikalische Maßnahmen wie Wechselduschen kann dem Auftreten entgegengewirkt werden.

Von großer Bedeutung ist es, die (wenigen!) Patienten zu entdecken, bei denen dem Ohnmachtsanfall eine möglicherweise gefährliche Ursache zugrunde liegt. Sollten bei der körperlichen Untersuchung Symptome auffallen, die Zeichen einer Herzerkrankung sein können (unregelmäßiger / schneller / langsamer Herzschlag, Herzgeräusch) ist eine weitere Abklärung erforderlich.

Ein Hinweis auf eine bedeutsame Grunderkrankung kann das Auftreten eines Ohnmachtsanfalls unter körperlicher Belastung zum Beispiel beim Schulsport sein.

Familiär gehäufte Ohnmachtsanfälle oder das Auftreten von plötzlichem Herztod in der Familie können auf eine vererbte Herzrhythmusstörung hinweisen, die unbedingt einer Behandlung bedürfen würde.

Diese Patienten müssen unbedingt einem Kinderkardiologen (Herzspezialist) vorgestellt werden, um weitere Untersuchungen und bei Bedarf auch die Behandlung in die Wege zu leiten.

Arpad von Moers ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin