Sonderseite: Ratgeber Trauer

Mit Worten und Klängen versuchen, den Schmerz zu lindern

Stefan Bohle hat sein Talent zum Beruf gemacht. Der studierte Kirchenmusiker arbeitete jahrelang bei einem Bundestagsabgeordneten und schrieb für ihn Reden. Da er ein guter Redenschreiber war, wurde er Trauerredner und gründete danach sein Bestattungsunternehmen.

Außerdem spielt der 38-Jährige häufig Musik auf Beerdigungen, um eine kompakte Trauerfeier gestalten zu können.

In den letzten neun Jahren hat der gebürtige Essener nach eigenen Angaben "einige Tausend Trauerreden gehalten". "Eine gute Trauerrede muss alle Anwesenden einbeziehen und ihre Erinnerungen an den Verstorbenen bündeln", sagt Bohle. Deshalb bereitet er sich jedes Mal systematisch und akribisch auf seine Rede vor. Er trifft sich im Vorfeld mit den Familienangehörigen, führt intensive Gespräche mit ihnen und lässt sich wichtige Informationen über den Verstorbenen geben, um sich ein genaues Bild von ihm machen zu können.

Bohle fragt die Angehörigen, was der Verstorbene für ein Mensch war, wie er gelebt und was er gemacht hat. Aus diesen Informationen und von seinen persönlichen Eindrücken bei den Gesprächen formuliert er dann seinen Redetext. Um seine innere Ruhe zu finden, macht Bohle auch autogenes Training. Bevor die Gemeinde hereinkommt, betritt er oft allein den Raum, um sich psychologisch auf die Rede einstellen und sich auch besser konzentrieren zu können. "Viele Trauergäste sind sehr traurig und hören gespannt zu. Es wäre schade, wenn ich mit meinen Worten die Menschen nicht erreichen kann", meint Bohle. Auch die Tonlage und die Geschwindigkeit einer Trauerrede sind sehr wichtig. Sie muss die stark betroffenen Familienangehörigen, Freunde und Verwandte des Verstorbenen emotional berühren, sie für einige Momente in die glückliche, schöne gemeinsame Vergangenheit versetzen. Die Erinnerungen sind die zentralen Aspekte, die man bei der Rede umsetzen muss. "Der Trauerredner verkörpert das, was die Angehörigen von ihm erwarten. Er stellt sich in den Dienst der versammelten Trauergemeinde", sagt Bohle. Sein zweiter Schwerpunkt ist die Trauermusik. Nach seinem Musikstudium hat Bohle lange als Chorleiter gearbeitet, mit Klavier und Orgel auch Kirchenmusik gespielt.

Derzeit leitet er vier Chöre in Berlin und Brandenburg. Im Vorfeld einer Trauerfeier berät er die Angehörigen auch in Sachen Trauermusik. Entweder macht er bestimmte Vorschläge oder lässt sich von den Wünschen der Hinterbliebenen inspirieren, um ein ideales Musikprogramm zusammenstellen zu können. Manchmal spielt er selber und begleitet eine Sängerin mit seiner Musik oder engagiert andere Musiker, die ein Programm spielen.

Musik jeder Richtungen kann eingesetzt werden. Die Palette ist groß. Je nach Wunsch und Stimmung wird Klassik, Jazz, Walzer, Chansons oder auch mal Tango und Klezmer gespielt. Auf jeden Fall sollte die Musik authentisch sein und dem Geschmack des Verstorbenen und der Trauergemeinde gut passen. "Die Angehörigen sollten sich auch bei der Trauermusik wieder finden. Außerdem sollten die Musik und der Redetext sehr gut zueinander passen und sich ergänzen", sagt Bohle.

Während seiner langjährigen Tätigkeit hat er viele Reden für sehr unterschiedliche Trauerfeiern gehalten. Darunter waren Opfer eines Doppelmordes in Ludwigsfelde und ein Ehepaar aus der Region Berlin-Brandenburg, die vor einigen Jahren bei der Tsunami-Katastrophe in Asien ums Leben kam. Bohles Slogan lautet stets: Zuhören, Verstehen und Begleiten. "Diese drei Aspekte sind bei trauernden Menschen, die Angehörige verloren haben, sehr wichtig. Unsere Gespräche nehmen manchmal sogar therapeutische Formen an", sagt der Trauerredner.