Ratgeber

Muss ich für die Steuer bestätigen, dass mein Ex Unterhalt zahlt?

Mein Ex-Mann zahlt mir 950 Euro Unterhalt im Monat. Jetzt soll ich das für die Steuer bestätigen. Er droht, nicht weiterzuzahlen, wenn ich das nicht tue. Was habe ich mit seiner Steuer zu tun? Kann er seine Drohung wahrmachen? Melanie K., Hermsdorf

Ihr geschiedener Mann hätte sicher eine höflichere Form für seine Forderung finden können. Die Unterhaltszahlung darf er keinesfalls einstellen. Im Kern ist seine Forderung aber berechtigt. Als geschiedene Eheleute können Sie nicht mehr zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden. Ihr Mann hat jetzt die Steuerklasse I. Er hat deshalb bei gleichem Bruttogehalt einen höheren Steuerabzug als früher. Als Geschiedener kann er Unterhaltszahlungen von der Steuer absetzen. Dadurch verringert sich seine Steuerlast. Ohne Ihre Unterschrift geht das nicht. Ihre Unterschrift hat für Sie aber eine nachteilige Folge. Der Unterhalt wird dadurch bei Ihnen steuerpflichtiges Einkommen. Sie müssen ihn dann genauso versteuern wie Ihr Gehalt. Diesen steuerlichen Nachteil müssen Sie nicht hinnehmen. Sie haben einen Anspruch, Ihren Unterhalt netto zu bekommen. Deshalb ist Ihr Mann verpflichtet, Ihnen die Steuer zu erstatten. Wenn Sie das nicht selbst ausrechnen können, können Sie einen Steuerberater beauftragen. Auch dessen Kosten muss Ihr Mann tragen. Dennoch bleibt ihm noch ein Vorteil. Er spart wahrscheinlich mehr Steuern, als er Ihnen erstatten muss. Er hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass Sie das Formular unterschreiben.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht