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Leseprobe aus dem Buch

"Mein Vater erforschte bereits seit Anfang der 1950er Jahre im Auftrag verschiedener Institute die Lebensweise der Amazonas-Indianer, ihre Traditionen, ihre Sprachen, ihre Kulturen. Nebenbei testete er technische Geräte auf ihre Tropentauglichkeit, was ihm die nötige finanzielle Unabhängigkeit verschaffte. Als er Mitte der 1960er Jahre die Chance erhielt, ein mehrjähriges Forschungsprojekt bei den Aparai-Wajana-Indianern durch zu führen, zögerte er nicht lang. Eine junge Frau begleitete ihn als Assistentin in den Urwald. Meine Mutter. Aus dem Arbeitsteam wurde schließlich ein Paar. Die beiden heirateten in Brasilien, sehr zum Verdruss ihrer Familien, die der Vorstellung von einem Leben außerhalb der Zivilisation nicht wirklich etwas abgewinnen konnten. (...) Ich kann mir lebhaft vorstellen, welche Diskussionen meine Eltern im Vorfeld über sich ergehen lassen mussten. Verwandte, Bekannte und Freunde, sie alle fühlten sich bemüßigt, ihre Bedenken zu äußern: "Was, wenn die Kleine krank wird?" - "Wie wollt ihr dort überhaupt mit einem kleinen Kind zurandekommen, wo es nicht mal Strom und fließend Wasser gibt (...)" - "Was, wenn euch etwas zustößt? Dann seid ihr ja meilenweit von jeder Hilfe entfernt!" Doch meine Eltern ließen sich nicht beirren. (...) Deshalb passten wir uns dem Lebensrhythmus der Indianer an und nicht etwa umgekehrt. Ihre Kultur und Lebensweise wurde für die Dauer unseres Aufenthalts zur unsrigen."