Kongress des Gripstheaters

Stadtindianer auf der Suche nach dem Glück

Was Grundschüler über Armut, Reichtum und die Stadt denken

Armsein ist fantastisch / Du glaubst mir nicht? Du findest, dass Armsein scheiße ist? Wenn du mich noch mal beleidigst, dann geh weg aus meinem Leben / Ach stimmt ja, du bist die Stimme in meinem Kopf. / Gut, dann halt wenigstens den Mund. (Leo, 10, Schreibworkshop des Berliner Kinderkongresses).

Was Armut, Reichtum und Glück bedeuten, darüber haben 100 Kinder auf dem "1. Berliner Kinderkongress" unter dem Motto "Unbezahlbar" drei Tage lang diskutiert - nicht nur mit Worten. Sie haben sich aktiv mit dem Thema auseinandergesetzt, sich auf die Suche nach Orten, Momenten und Situationen gemacht, die Armut, Reichtum oder Glück bedeuten.

Die Zehn- bis Zwölfjährigen aus vier Berliner Grundschulen in Marzahn, Staaken, Kreuzberg und Pankow waren auf neun Workshops aufgeteilt. Theaterpädagogen, Komponisten, Autoren und Dramaturgen betreuten die Kinder beim Spielen, Texten, Kochen oder Vorführen. Am dritten Tag haben sie in einer großen Abschlusspräsentation ihre Ergebnisse und Entdeckungen vorgestellt - auf der Bühne des Gripstheaters in der Klosterstraße in Mitte, das die kulturelle Veranstaltung ins Leben gerufen hat.

"Mit dem Kinderkongress möchten wir Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, tief in das Thema einzutauchen und mit künstlerischen Mitteln sich selbst zu äußern", sagt Stefan Fischer-Fels, künstlerischer Leiter des Gripstheaters. Der Musikworkshop "So klingt Glück" versuchte, mit Tönen und Geräuschen Glück zu erzeugen: Zu hören waren unter anderem Wellenrauschen, Möwenschreie und Fußballplatzjubel. In "Gerechte Schule - eine Schule mit Zukunft" entwickelten die Kinder die Idee vom Park mit Streichelzoo vor ihrer Schule. Im Kochworkshop übten sie, wie man preiswerte und leckere Dinge kocht, die glücklich machen.

Die Kinder der "Schatzsuche" wirkten aufgeregt, aber konzentriert bei ihrer Abschlusspräsentation. Drei Tage lang waren sie unterwegs gewesen. An einer riesigen Leinwand auf der Bühne wurden Bilder von Indianern gezeigt: Kinder mit Bändern um den Kopf und Kriegsbemalung im Gesicht, die über Mauern klettern und sich aufmerksam durch die Straßen bewegen. "Wir sind Stadtindianer!", sagte ein kleiner Junge und trat dabei der aus der Gruppe heraus.

Sie hatten "Glücksorte", aber auch Orte der Armut und des Reichtums, entdeckt - an der Stadtmauer, in der niederländischen Botschaft und in der U-Bahnstation Klosterstraße. Zum Teil waren ihre Erlebnisse an das Theaterstück "Pünktchen und Anton" geknüpft, das bald im Gripstheater aufgeführt wird. Pünktchen und Anton erleben auf ihren Abenteuern in Berlin ihrerseits Armut, Reichtum und Glück. "Wir haben kleine Döschen mit Aufgabenzetteln gefunden", erzählt Karolina (11). "Einmal lag eines in einem Felsen, der ein Loch hatte, ein anderes Mal in einem Colaautomaten. Das war echt spannend." Alle Aufgaben hatten das Motto "Glück einsammeln und austeilen". Unter anderem sollten sie "Wartezeit einsammeln". Sie multiplizierten die Minuten bis zum Eintreffen einer U-Bahn mit der Zahl der wartenden Fahrgäste am Bahnsteig. Das ergab 30 Minuten. Was macht man mit 30 Minuten, damit sie besonders glücklich werden? Die Kinder imitierten zum Beispiel Standbilder, die sich und andere zum Lachen brachten - und erreichten so ihre Glücksmission. Sie registrierten die Koordinaten der Orte. Bald sollen sie im Internet abrufbar sein, damit auch andere die "Glücksorte" besuchen können.

2012 soll es den zweiten Berliner Kinderkongress geben. Mehr Informationen: www.grips-theater.de