Partnerschaft

Zweite Chance für den Ex

"Verschwinde aus meinem Leben! Das mit uns klappt einfach nicht." So ging die Beziehung zumindest vor einiger Zeit auseinander. Doch so richtig die Trennung damals schien, irgendwie sind die Gefühle für den anderen nicht weg. Im Gegenteil, das Kribbeln im Bauch ist zurück. Ob das aber gut geht - dem Ex eine zweite Chance zu geben?

"Das sollte man sich gut überlegen", sagt Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. "Ich kann mir die Fragen stellen: Was hat dazu geführt, dass wir uns getrennt haben? Hat er mich sehr verletzt? Würde das noch einmal passieren oder hat er sich sichtbar verändert?" Ähnliches rät auch Jutta Stiehler, Leiterin des Dr. Sommer-Teams der Zeitschrift "Bravo" in München. "Ob es beim zweiten Mal klappt, hängt auch davon ab, warum es beim ersten Mal auseinanderging."

Daher sollte man vorab für sich klären: Haben wir vielleicht gar nicht zueinander gepasst, hatten wir zum Beispiel völlig unterschiedliche Hobbies und Interessen? Voreilig sollte man allerdings nicht sein. "Man muss sich genug Zeit geben herauszufinden, was man möchte", sagt Beate Friese vom Kinder- und Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer". Dafür könne man auf einem Blatt Papier aufschreiben, was gut war und was nicht. "Wer sehr viele Zweifel hat, sollte die ernst nehmen." Auch die Gründe für eine zweite Chance sind wichtig. "Spürt man wirklich ein Kribbeln, wenn man den anderen sieht? Oder hat man einfach keinen neuen Partner gefunden und wählt deswegen den Ex noch mal? Das wäre kein guter Neustart."

Möglicherweise ist es auch hilfreich, mit dem Ex über seine Zweifel zu sprechen. "Dann kann man gemeinsam schauen, was man im zweiten Anlauf anders angeht", sagt Friese. Vorwürfe wie "Du hast das und das gemacht" seien jedoch nicht sinnvoll. Stattdessen könne man ansprechen, wie man sich selbst gefühlt hat. "Wenn du mit anderen Jungs gesprochen hast, war ich schnell eifersüchtig. Was können wir beide da tun?"

Wer dagegen die Beziehung wieder aufnehme, ohne sich mit solchen Dingen zu beschäftigen - mit oder ohne den Partner -, laufe Gefahr, wieder in die gleichen Muster wie beim ersten Mal zu fallen.

Doch auch wenn alles geklärt ist und man sich zu einer zweiten Chance entschlossen hat, ist nicht alles perfekt. "Die alten 'Macken' des anderen werden einem wahrscheinlich wieder begegnen", sagt Psychologin Raffauf. Damit müsse man lernen, zurechtzukommen. "Andere Menschen ändern, das geht in der Regel nicht."

Die Probleme totschweigen, geht laut Stiehler aber auch nicht. "Wegwischen hilft nicht, stattdessen ist es besser, die Gefühle und Gedanken anzusprechen - aber nicht in der Situation, wenn man sich gerade ärgert."

Nur am anderen herumkritisieren, ist aber nicht hilfreich. "Man sollte an seiner eigenen Toleranz arbeiten", sagt Beate Friese. Möglicherweise empfindet man eine bestimmte Sache aber auch gar nicht mehr so schlimm wie früher. Das könnte einer der Gründe sein, warum es im zweiten Anlauf manchmal besser klappt. "Beide können aus der ersten Beziehung gelernt haben und kennen die Stolperfallen", sagt Stiehler. "Und wenn man sich gegenseitig eine neue Chance gibt und Dinge schnell anspricht, die einen stören, dann kann man durchaus eine gute Grundlage für eine Beziehung haben."