Ratgeber

Was wird nach der Scheidung aus unserem Haus?

Wir haben vor einiger Zeit unser Haus den Kindern geschenkt. Das hatte der Steuerberater empfohlen, um Erbschaftsteuer zu sparen. Mein Mann und ich haben noch den Nießbrauch an dem Haus. Jetzt ist unsere Ehe leider zu Ende. Wir werden uns wohl scheiden lassen. Bei dem Geschenk an die Kinder hatten wir uns natürlich vorgestellt, dass wir bis zu unserem Tode in dem Haus wohnen bleiben. Was wird nach der Scheidung mit dem Haus? Marita G., per E-Mail

Als Sie das Haus Ihren Kindern geschenkt haben, haben Sie vermutlich an eine Scheidung gar nicht gedacht. Trotzdem ist das Geschenk an die Kinder völlig unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet bleiben oder sich scheiden lassen. Weder Ihr Mann noch Sie können wegen der Scheidung verlangen, dass das Geschenk zurückgegeben wird. Es ist endgültig.

Es ist natürlich möglich, dass die Kinder das Haus freiwillig an die Eltern zurückgeben. Das wird aber wenig sinnvoll sein, auch wenn die Kinder dazu bereit wären. Die Rückgabe an die Eltern wäre aus steuerlicher Sicht wiederum ein Geschenk, das vermutlich erhebliche Schenkungsteuer auslösen würde. Bei Schenkungen der Kinder an die Eltern ist nämlich der Freibetrag sehr viel geringer als bei Schenkungen in umgekehrter Richtung.

Aufgrund des Nießbrauchs haben Sie weiterhin das Recht, das Haus so zu nutzen, als wären Sie Eigentümer. Daran ändert sich auch durch die Scheidung nichts. Der Nießbrauch steht Ihnen und Ihrem Mann aber gemeinsam zu, und nach der Scheidung wird höchstens noch einer von Ihnen in dem Haus wohnen können. Dafür müssen Sie eine Regelung finden. Diese Regelung ist aber nicht anders, als wenn Ihnen das Haus noch gehörte. Wenn Sie sich mit Ihrem Mann nicht einigen können, dann entscheidet darüber notfalls das Familiengericht. Der, der auszieht, wird von dem anderen monatlich eine gewisse Nutzungsentschädigung verlangen können.

Wenn Sie das Haus nicht verschenkt hätten, würde es nach der Scheidung vermutlich verkauft werden, um den Erlös zwischen Ihnen aufzuteilen. Der Nießbrauch, der Ihnen nur verblieben ist, lässt sich nicht verkaufen. Er ist strikt an Sie und Ihren Mann gebunden und wird mit Ihrem Tod erlöschen. Sie sind aber nicht gezwungen, das Haus selbst zu nutzen. Sie können es auch gemeinsam mit Ihrem geschiedenen Mann vermieten. Die Miete müssen Sie sich dann mit ihm teilen.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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