Verband kinderreicher Familien gegründet

Normal, nicht phänomenal

Mit drei Kindern nimmt sich die Familie von Andreas Konrad geradezu klein aus neben denen seiner Vorstandskollegen: Sprecher Thomas Franke hat vier Kinder, Vorstandsmitglied Tanja Prinzessin zu Waldeck ebenfalls, die Verbandsvorsitzende Elisabeth Müller sogar sechs.

Einen Teil des Nachwuchses haben sie mitgebracht, als sie jetzt in Berlin ihren in diesem Jahr gegründeten "Verband kinderreicher Familien Deutschland" (KRFD) vorstellen. Die Interveressenvereinigung von Familien mit drei und mehr Kindern will gegen die "Diskriminierung des Lebensmodells kinderreicher Familien" kämpfen. Die, so hat Elisabeth Müller festgestellt, werden in Deutschland entweder als "phänomenal oder als asozial" wahrgenommen - aber nicht so, wie die Familien selbst sie empfinden: als "ganz normal".

Ein kinderfreundlicheres und kinderreicheres Deutschland - das will der KRFD erreichen. Er will Schwellen abbauen, die Paare davon abhalten, sich den Wunsch nach einer kinderreichen Familie zu erfüllen, und wünscht sich, dass Familien mit drei und mehr Kindern stärker akzeptiert werden - auch bei der Wohnungs- oder Jobsuche.

Zugleich hat der Verband ganz konkrete Forderungen: ein Familiensplitting zum Beispiel, bei dem sich der Steuersatz nach der Zahl der Familienmitglieder richtet oder die Anrechnung von Betreuungszeiten auf die Rentenansprüche. Und auch das Betreuungsgeld ist dem Verband wichtig: "Familien sollen die Wahlfreiheit haben, ob sie ihre Kinder in einer Einrichtung betreuen lassen oder sich entscheiden, das Kind zu Hause zu betreuen", sagt Vorstandschefin Elisabeth Müller und erläutert: "Es ist wichtig, dass die Aussicht auf einen Krippenplatz besteht, damit sich Frauen überhaupt für ein Kind entscheiden. Es gibt aber auch viele Frauen, die gern für zwei Jahre zu Hause bleiben wollen. Das Recht, das Kind zu begleiten, muss bestehen bleiben." Zumal es mit zunehmender Kinderzahl immer schwieriger werde, den Alltag mit Kindern in verschiedenen Betreuungseinrichtungen zu organisieren, betont Thomas Franke. Da sei dann ein Kind im Kindergarten, eins in der Grundschule und eins auf der weiterführenden Schule, mit unterschiedlichen Öffnungs- und Ferienzeiten, und oft genug reiche das zweite Einkommen gerade, um die Gebühren für die Betreuungseinrichtungen zu bezahlen. Deshalb müsse jeder selbst entscheiden dürfen, ob beide Ehepartner arbeiteten oder nicht.

Rabatte für Familien

Seine Forderungen will der Verband auch in Gesprächen mit Politik und Wirtschaft vertreten. Zugleich soll der KRFD ein Austauschforum für seine Mitglieder sein - und diese im Alltag unterstützen. So hofft der Verband beispielsweise, bald eine Rechtsberatung anbieten zu können, und plant eine Karte "Familie 3+", mit der es Rabatte beim Kauf familientauglicher Autos oder beim Eintritt ins Schwimmbad geben soll. Der Verband will familienfreundliche Unternehmen auszeichnen, gleichzeitig aber auch aufdecken, wenn Unternehmen zu Unrecht mit dem Zusatz "familienfreundlich" werben.

Mitglied werden kann jede Familie mit mindestens drei Kindern, wer weniger Kinder hat, kann die Ziele als "außerordentliches Mitglied" unterstützen. Es gibt keinen festen Mitgliedsbeitrag, der Verein finanziert sich durch Spenden. Informationen: www.kinderreichefamilien.de