Ratgeber

Unser Sohn wünscht sich ein Geschwister. Was sollen wir tun?

Unser Sohn Erik (5) ist Einzelkind. Als Kleinkind war er sehr anstrengend. Das war einer der Gründe dafür, dass ich kein zweites Kind wollte. Erik hat viel Kontakt zu anderen Kindern, aber trotzdem wünscht sich Erik sehr stark ein Geschwister. Ich bin 37 Jahre alt und könnte mir inzwischen ein zweites Kind vorstellen, aber mein Mann (57) ist entschieden dagegen. Wie kann man eine Lösung finden? Sabine M., Lankwitz

Die Entscheidung über ein weiteres Kind können nur Sie und Ihr Mann gemeinsam treffen, weil sie ja für eine lange Zeit die Verantwortung für dann zwei Kinder tragen würden. Deswegen ist es zunächst wichtig, dass Sie beide ausführlich klären, was für sie beide mit einem zweiten Kind verbunden wäre: Mehr Lebensfreude und Vergnügen oder eher eine zusätzliche Last und zu viel Verantwortung. Ein zweites Kind kann mehr Vielfalt, kann aber auch eine Zunahme von Einschränkungen bedeuten. Und Sie sollten klären, ob Sie beide möchten, dass Erik ein Geschwister haben soll.

In diesen Gesprächen sollten Sie auch das Thema besprechen, dass Sie beide sich - durch den Altersunterschied bedingt - möglicherweise in unterschiedlichen Phasen des Lebens fühlen und dadurch auch mit unterschiedlichen Bedürfnissen in die Zukunft sehen. Wichtig ist ein jeweils sehr persönlicher und ehrlicher Blick in eine mögliche Zukunft mit einem zweiten Kind, weil ein Leben mit einem weiteren Kind wieder viele Veränderungen in sämtlichen Lebensbereichen bedeuten würde. Wenn Sie einander in all diesen genannten Punkten verstanden haben, wird Ihnen beiden eine gemeinsam getragene Entscheidung bestimmt leichter fallen - und diese besprechen Sie dann möglichst gemeinsam mit ihrem Sohn Erik. Wenn er spürt, dass Sie sich die Frage eines Geschwisterchens ernsthaft und ausführlich überlegt haben und sich in ihrer Einschätzung einig sind, dann wird er Ihre Entscheidung, auch wenn sie nicht seinem Wunsch entsprechen sollte, leichter akzeptieren können. Und dann machen Sie alle drei das Beste daraus.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

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