Ratgeber

Gilt das Berliner Testament für Kinder nur eines Ehepartners?

Ich bin 69 Jahre, habe nach dem Tod meiner ersten Frau erneut geheiratet. Meine Frau ist kinderlos, ich habe aus erster Ehe eine leibliche Tochter. Um meine Frau (57) abzusichern, haben wir uns für das Berliner Testament entschieden. Nun habe ich im Internet gelesen, dass dies rechtlich unwirksam sei, weil meine Tochter kein gemeinsames Kind ist. Stimmt das? Karl-Heinz S. aus Mitte

Der Begriff Berliner Testament wird zwar häufig verwendet, ist aber kein förmlicher Rechtsbegriff. Es handelt sich lediglich um eine typisch verwendete Form eines gemeinschaftlichen Ehegattentestamentes. Wenn Sie verheiratet sind, können Sie wählen: Sie machen entweder gar kein Testament, jeder von Ihnen macht für sich eines, oder Sie machen ein gemeinschaftliches. Das ist nichts anderes als die Zusammenfassung von zwei Einzeltestamenten. Es enthält für den Todesfall des Mannes und der Frau jeweils eine Bestimmung über die Erbfolge. Solange beide Eheleute noch leben, kann jeder das Testament widerrufen, das ist aber an eine bestimmte Form gebunden, sodass der andere erfährt, wenn das Testament widerrufen wird. Ist einer von beiden verstorben, kann der Überlebende sein Testament nicht mehr ändern.

Welche Erbfolge in dem gemeinsamen Testament angeordnet wird, können Sie frei entscheiden. Eine Entscheidungsmöglichkeit ist ein Berliner Testament. Das sieht wie folgt aus: Wenn ein Ehegatte stirbt, wird der überlebende Alleinerbe. Nach dessen Tod werden die Kinder als Erben eingesetzt. Weil Sie bei der Gestaltung des Testamentes volle Freiheit haben, können Sie von dem typischen Berliner Testament beliebig abweichen. Deshalb müssen die eingesetzten Kinder nicht zwingend gemeinsame sein. Sie können auch Kinder einsetzen, die nur von einem der Eheleute abstammen. Sie können sogar ganz andere Personen bedenken, mit denen keiner von Ihnen verwandt ist.

Die Bedenken, die Sie nach Ihrer Internetrecherche haben, können trotzdem berechtigt sein. Möglicherweise hatten Sie schon mit Ihrer ersten Frau ein gemeinschaftliches Testament, das für den Fall Ihres Todes eine andere Erbfolge vorsieht. An dieses Testament sind Sie dann natürlich gebunden, und Sie können nicht mit Ihrer zweiten Frau ein anderes Testament machen.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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