Interview

"Man kann fast jedes Thema spannend erklären"

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Mürrischer Blick, schlurfender Schritt, maulige Züge um den Mund - so werden viele Kinder bei Stadtbesichtigungen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten geschleppt. Doch es kann auch anders laufen

Sabine Hansen zum Beispiel bietet Führungen extra für Kinder an (www.berlin-mit-kindern.de). Nicole Dolif sprach mit ihr darüber, wie man Kindern eine Stadt zeigen und näher bringen kann.

Berliner Morgenpost: Warum zeigen Sie Kindern Berlin?

Sabine Hansen: Kinder sind neugierig und Berlin ist eine spannende Stadt mit viel Geschichte.

Berliner Morgenpost: Die meisten Eltern fürchten das Gemaule ihrer Kinder auf Stadtrundgängen ...

Sabine Hansen: Es kommt darauf an, wie man den Rundgang gestaltet. Meine Stadtführungen sind so aufgebaut, dass sich Bewegung, Ausruhen, Zuhören und Reden abwechseln. Außerdem bestehen meine Gruppen nur aus fünf bis sechs Kindern, die alle etwa gleich alt sind. So schaffen auch Achtjährige eine Drei-Stunden-Tour.

Berliner Morgenpost: Für welche Themen interessieren sich Grundschüler denn zurzeit besonders in Berlin?

Sabine Hansen: Die Mauer finden alle spannend. Und von Hitler wissen die meisten Kinder auch viel. Eigentlich kann man den Kindern aber fast jedes Thema spannend erklären, man muss nur den richtigen Ton treffen. Wenn die Kinder abschalten, dann meistens bei zu vielen Jahreszahlen und zu langen Vorträgen. Aber das geht Erwachsenen ja nicht anders.

Berliner Morgenpost: Wie sind Sie denn darauf gekommen, Kindern Berlin zu zeigen?

Sabine Hansen: Bevor ich mich als Stadtführerin für Kinder selbstständig gemacht habe, war ich Grundschullehrerin. Schon damals bin ich mit meinen Schülern viel durch die Stadt gelaufen. Zum Beispiel sind wir gleich nach dem Mauerfall in den Ostteil und haben uns dort umgeschaut. Bei den Unterrichtsgängen habe ich gesehen, dass Kinder besser verstehen, wenn die Dinge für sie greifbar sind.

Berliner Morgenpost: Aber das meiste ist heute für Kinder ja zeitlich schon weit weg. Wie machen Sie das?

Sabine Hansen: Es gibt ja viele Orte in Berlin, an denen Geschichte sichtbar ist. Am Checkpoint Charly zum Beispiel. Oder auch am Brandenburger Tor. Ansonsten habe ich immer viele Bilder dabei und erzähle den Kindern auch meine persönlichen Erfahrungen aus dem geteilten Berlin.

Berliner Morgenpost: Welche sind das?

Sabine Hansen: Meine Eltern sind vor dem Mauerbau aus dem Osten in den Westen gegangen. Aber ein Teil meiner Familie blieb dort. So bin ich als Kind oft auch im Osten gewesen. Ich erzähle den Kindern zum Beispiel von den Fahrten über die Transit-Strecke oder in die DDR.

Berliner Morgenpost: Bringen die Kinder denn so viel Vorwissen mit, dass sie mit solchen Geschichten überhaupt etwas anfangen können?

Sabine Hansen: Das ist unterschiedlich. Manche wissen schon ganz viel, andere fast gar nichts. Aber das ist für den Erfolg des Rundgangs nicht wichtig. Am Ende nimmt jedes Kind etwas mit.