Ratgeber

Hat mein Ex-Mann noch Anspruch auf Zugewinnausgleich?

Ich lebe von meinem Mann seit längerer Zeit getrennt. Vor kurzem hat er einen Scheidungsantrag gestellt. Anschließend hat sein Anwalt mich aufgefordert, eine Aufstellung meines Vermögens zu machen, damit er den Anspruch meines Mannes auf Zugewinn berechnen könne.

Dabei haben mein Mann und ich unsere Konten schon bei der Trennung aufgeteilt. Jeder von uns bekam etwa 50 000 Euro. Mein Mann sagt nun, er habe sein Geld in der Finanzkrise verloren. Kann ich nicht sagen, dass die Aufteilung bei der Trennung endgültig war? Lynn G., per Email

Ihr Mann dürfte mit seiner Forderung im Prinzip Recht haben. Wenn Sie mit Ihrem Mann keinen Ehevertrag geschlossen hatten, gilt für Ihre Ehe der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Diese hat mit Ihrer Hochzeit begonnen und wurde an dem Tag beendet, an dem Ihnen vom Gericht der Scheidungsantrag zugestellt worden ist. Während dieser Zeit bleibt Ihr Vermögen von dem Ihres Mannes getrennt. Am Ende der Zugewinngemeinschaft wird festgestellt, um wie viel sich Ihr Vermögen und das Ihres Mannes vermehrt haben. Derjenige, der einen größeren Zuwachs hat, muss an den anderen einen Ausgleich zahlen. Um dies berechnen zu können, hat Ihr Mann tatsächlich den Anspruch, den sein Anwalt geltend macht: Sie müssen über Ihr Vermögen Rechenschaft legen.

Sie haben mit Ihrem Mann das Vermögen schon vor dem Ende der Zugewinngemeinschaft aufgeteilt. Vermutlich wollten Sie damit erreichen, dass diese Aufteilung endgültig ist. Dieses Ziel konnten Sie so aber nicht erreichen. Die Ehe ist auch eine Schicksalsgemeinschaft. Sie dauert zumindest solange fort, bis einer von beiden einen Scheidungsantrag stellt. Bis dahin mussten Sie das Risiko mittragen, dass Ihr Mann sein Geld schlecht anlegt. Es kann sein, dass Sie von dem Geld, das Sie bei der Teilung bekommen haben, noch einmal etwas abgeben müssen.

Das Ergebnis mag ungerecht erscheinen. Es hängt aber mit Formvorschriften zusammen, die Sie bei der Teilung hätten beachten müssen. Die wirtschaftliche Schicksalsgemeinschaft kann vor dem Scheidungsantrag beendet werden. Das ist aber nur durch einen notariell beurkundeten Ehevertrag möglich.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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