Kinderkrankheiten

Außer Gefecht gesetzt

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Lajos Schöne

Die Ferien sind vorbei - und in Schule und Kita haben Kinderkrankheiten wieder Hochsaison. Doch viele früher hochgefährliche und ansteckende Krankheiten haben ihre Schrecken verloren. Manche sind dank Impfungen fast verschwunden, andere können gut behandelt werden.

Die Morgenpost hat mit Hilfe der Kinderklinik der Charité zusammengestellt, was Sie über Kinderkrankheiten wissen sollten.

Keuchhusten

Die krampfartigen Hustenanfälle bescheren wochenlange schlaflose Nächte, für Babys sind sie lebensbedrohend.

Symptome: Heftige Hustenanfälle, die das Kind besonders nachts quälen. Ein zäher Schleim wird ausgewürgt.

Behandlung: Viel frische Luft, mehrmals täglich kleine, leichte Mahlzeiten, auch Getränke nur in kleinen Portionen.

Vorbeugung: Eine Impfung zu Beginn des 3., 4. und 5. Lebensmonats, eine erste Auffrischimpfung im 11. bis 14. Lebensmonat. Für einen dauernden Schutz reicht das leider nicht, deshalb rät die Ständige Impfkommission STIKO zu einer zusätzlichen Auffrischimpfung im Vorschulalter. Eine weitere Auffrischimpfung benötigen Jugendliche im Alter von neun bis 17 Jahren.

Masern

Das Masern-Virus schwächt die natürlichen Abwehrkräfte des Kindes und macht den Körper für Infektionen aller Art anfällig. Eines von 2000 bis 3000 masernkranken Kindern erkrankt an einer oft tödlichen Gehirnentzündung (Enzephalitis).

Symptome: Acht bis elf Tage nach der Ansteckung beginnt die Krankheit mit Schnupfen, Reizhusten, verquollenen, roten Augen und steigendem Fieber. Zwei bis drei Tage später zeigen sich auf der Mundschleimhaut gegenüber den Backenzähnen weiße Flecken, die wie Kalkspritzer aussehen. Der Ausschlag ist anfangs hellrot, wird dann größer und verfärbt sich bläulich und fließt mehr und mehr zu größeren geröteten Flecken zusammen.

Behandlung: Kinder mit Masern brauchen feuchte, kühle Atemluft. Der Arzt verordnet bei komplikationslosem Verlauf höchstens Fieber- und Hustenmittel. Gegen eine zusätzliche bakterielle Erkrankung kann er Antibiotika verschreiben.

Vorbeugung: Der MMR-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln wird im Alter von 11 bis 14 Monaten geimpft. Leider wird die zweite Impfung (mit 15 bis 23 Monaten) häufig versäumt. Die Lücken im Impfschutz führen immer wieder zu kleinen Epidemien, so seit April dieses Jahres auch in Berlin. Das RKI empfiehlt seit kurzem eine MMR-Impfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen ohne oder mit unvollständiger Immunität.

Pseudo-Krupp

Die Ursache ist fast immer eine Virusinfektion. Aber auch Schadstoffe in der Luft spielen eine wichtige Rolle. Betroffen sind meist Kinder unter vier Jahren, Jungen häufiger als Mädchen.

Symptome: Der Krupp-Anfall tritt meist in der Nacht auf: Das Kind wacht plötzlich mit einem keuchenden und bellenden Husten auf. Es ringt hörbar nach Atem. Wenn sich die Atemnot vergrößert, kann das Kind in Lebensgefahr geraten.

Behandlung: Ruhe bewahren! Das aufgeregte und verkrampfte Kind auf den Arm nehmen und beruhigen. Das Zimmer durch nass aufgehängte Tücher feucht und kühl halten. Das Fenster weit öffnen und das Kind die feuchtkühle Nachtluft einatmen lassen. Wenn sich sein Zustand nicht bessert, muss das Kind sofort in eine Klinik.

Vorbeugung: Leider nicht möglich. Zum Glück neigen nur manche Kinder und auch nur in einer relativ kurzen Zeitspanne zu diesen Hustenanfällen.

Meningitis

Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ist die häufigste Ursache von ernsten hirnorganischen Schäden. In jedem vierten Fall muss mit Krampfleiden, Hör- und Sprachstörungen sowie bleibenden geistigen Behinderungen gerechnet werden. Die Auslöser sind verschiedene Bakterien, Viren, Pilze oder andere Mikroorganismen. Die Meningitis kann auch als Komplikation einer der Kinderkrankheit auftreten (zum Beispiel von Mumps). Als Ursache für die akute bakterielle Meningitis kommen heute vor allem zwei Erreger infrage: die Pneumokokken und die Meningokokken. Der dritte Erreger Haemophilus Influenzae B tritt dank Impfungen fast nicht mehr auf.

Symptome: Das Kind ist benommen, klagt über heftige Kopfschmerzen in der Stirn, im Nacken oder hinter den Augen. Es leidet an Übelkeit. Bei Babys treten auch Krämpfe auf, die Kinder sind berührungsempfindlich und schreien manchmal schrill. Typisch ist die steife Nackenhaltung. Wenn das Baby kaum auf Reize reagiert, hell- bis dunkelrote stecknadelkopfgroße Flecken (Petechien) hat oder die Fontanelle sich leicht nach außen wölbt, sollten Eltern so schnell wie möglich den Kinderarzt konsultieren oder ein Kinderkrankenhaus aufsuchen. Jede Minute zählt!

Behandlung: Das Kind muss fast immer ins Krankenhaus. Die Ärzte untersuchen die Rückenmarkflüssigkeit und es wird sofort mit einer Antibiotika-Therapie begonnen. Wird das Kind nicht sofort behandelt, drohen schwere Schädigungen.

Vorbeugung: Eine Impfung gegen Pneumokokken in den ersten vier Lebensmonaten, gegen Meningokokken im zweiten Lebensjahr.

Mumps

Die schmerzhaft geschwollene Backe ist nicht die einzige Folge einer Mumpsinfektion. Bei jedem zehnten mumpskranken Kind muss mit einer Hirnhautentzündung gerechnet werden. Sie verläuft zwar leichter als die Gehirnentzündung nach Masern, ist aber nicht harmlos. Werden die Kinder in der Zeit der Pubertät angesteckt, kommt es außerdem bei jedem vierten Jungen zu einer Entzündung der Hoden, bei fünf Prozent der Mädchen zu einer Entzündung der Eierstöcke. Unfruchtbarkeit kann die Folge sein.

Symptome: Das Kind fühlt sich schlapp, appetitlos, wird zänkisch und reizbar. Eine oder beide Speicheldrüsen unter dem Ohr schwellen stark an. Das Kind hat Schmerzen beim Schlucken oder Kauen.

Behandlung: Milde Wärme, Mundspülungen und Schmerzmittel. Auch ein Halswickel kann nützlich sein.

Vorbeugung: Impfung wie bei Masern.

Röteln

Für Kinder wirklich harmlos, für Schwangere jedoch höchst gefährlich wegen des Missbildungsrisikos für das Ungeborene.

Symptome: Kleine hellrote Flecken, selten größer als eine Linse. Manchmal schwellen auch die Lymphknoten am Hals und Nacken an. Leichtes Fieber.

Behandlung: Das Kind für drei bis fünf Tage von anderen Kindern ferngehalten.

Vorbeugung: MMR-Impfung.

Scharlach

Jedes dritte Kind macht bis zum 17. Geburtstag eine Scharlach-Infektion durch. Die Krankheit verläuft gutartiger als früher, sollte aber ernst genommen werden.

Symptome: Zwei bis vier Tage nach der Ansteckung stark erhöhte Temperatur. Schüttelfrost, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden sowie Erbrechen. Ein bis zwei Tage später beginnt der typische samtartige Ausschlag. Die Flecken sind bis zu stecknadelkopfgroß, intensiv gerötet, leicht erhaben und in der Leistengegend. Die Zunge zeigt zunächst einen weißgelben Belag, der nach ein bis zwei Tagen abgestoßen wird. Danach ist die Oberfläche der Zunge auffallend gerötet und geschwollen ("Himbeer-Zunge").

Behandlung: Unbedingt den Arzt einschalten! Er schützt das Kind mit einer Antibiotika-Behandlung vor schweren Komplikationen. Wird Scharlach nicht antibiotisch behandelt, besteht die Gefahr von gefährlichen Folgekrankheiten, zum Beispiel von rheumatischem Fieber und einem lebenslangen Herzschaden, von rheumatischen Gelenkveränderungen oder einer Nierenentzündung.

Windpocken

Wer sie einmal durchgemacht hat, ist lebenslang immun, manchmal können jedoch im Erwachsenenalter die im Körper verbliebenen Viren wieder aktiv werden und zu einer Gürtelrose führen. Komplikationen betreffen vor allem Kinder mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis.

Symptome: Zuerst erscheinen kleine, blassrote Flecken. Sie verwandeln sich sehr rasch in dünnwandige Bläschen. Sie trüben sich, trocknen aus und bilden eine Kruste, bevor sie abheilen. Da sich der Ausschlag schubweise entwickelt, sind die Flecken, Bläschen und Krusten nebeneinander zu sehen. Meist ist auch die Schleimhaut im Mund betroffen.

Behandlung: Bettruhe, flüssige oder leichte Kost. Die Bläschen jucken häufig sehr stark. Wenn das Kind sie aufkratzt, kann es Narben geben. Deshalb den Körper mit einem Spezialpuder einpudern.

Vorbeugung: Impfung zeitgleich mit der MMR-Impfung.