Neue Kultur-Agenten

Wie die Kunst in die Schulen kommt

Sie kommen alle aus kreativen Berufen: Anja Edelmann hat als Bühnen- und Kostümbildnerin gearbeitet und später Kinder-Kunstbücher für Museen gestaltet. Carsten Cremer ist Ethnologe und betreibt seit 2010 eine Galerie in Mitte. Architektin Friederike Holländer experimentiert gern mit Themen aus Kunst, Architektur und Design und Malerin Eva Randelzhofer entwickelt Workshop-Formate.

Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensläufe, verbindet die vier ab sofort eine gemeinsame Aufgabe: Sie gehören zu den zehn Künstlern, die in den kommenden Jahren an 30 Berliner Schulen als Kultur-Agenten unterwegs sind.

Das Wort Agent spiele dabei nicht auf James Bond an und sei auch nicht im heroischen Sinne gemeint, hieß es bei der Vorstellung des Projekts "Kulturagenten für kreative Schulen" im Projektzentrum Berlin der Stiftung Mercator am Hackeschen Markt. Vielmehr sollten die Kulturagenten Vermittler zwischen den Welten Schule und Kunst sein. Ihre Aufgabe wird es sein, Schüler für die Kunst und die Kultur interessieren. Dafür sollen sie Kooperationen der Schulen mit Theatern, Konzerthäusern und Museen anstoßen oder eigene Kunstprojekte ins Leben rufen.

Das Modellprogramm, initiiert und gefördert von der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator, ist auf vier Jahre angelegt und startet in diesem Schuljahr zugleich in fünf Bundesländern. Neben Berlin sind auch Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen dabei. 22,8 Millionen Euro werden für das Projekt bundesweit bereit gestellt, jeweils zehn Millionen Euro übernehmen die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Mercator. Das Land Berlin beteiligt sich an Kosten für die Gehälter der Künstler und stellt zusätzlich 440 000 Euro für das Projekt zur Verfügung.

In Berlin betreut jeder Agent ein Netzwerk von drei Schulen, zu dem immer eine Grundschule und in den meisten Fällen eine Sekundarschule gehört. Ihre Aufgabe wird es sein, die Kunst fächerübergreifend an den Schulen zu etablieren, sie zum Bestandteil des Alltags der Kinder zu machen. Wie das im Detail aussehen wird, handeln die Schulen mit ihrem zuständigen Agenten jetzt aus. "Wir generieren etwas, von dem man noch nicht weiß, wie es aussehen wird", sagt Winfried Kneip, Leiter des Kompetenzzentrums der Stiftung Mercator. Die Stiftung engagiert sich bei Themen wie Integration, Klimawandel und kulturelle Bildung. Ziel sei es, die Schulen und das soziale Umfeld mit langfristigen Kooperationen voranzubringen.

Konkrete Vorstellungen gibt es sowohl bei Schulen und Kulturagenten. Thanassis Kalaitzis hat Germanistik und Anglistik studiert und war nach dem Studium für die Bildungsarbeit der Literaturwerkstatt Berlin zuständig. Er wird jetzt drei Schulen in Neukölln betreuen. Zu dem Netzwerk gehören die Hermann-von-Helmholtz-Schule, die Walter-Gropius-Schule und die Janusz-Korczak-Grundschule. "Mich reizt die Idee, die Kinder für Dinge zu begeistern, die ihnen nicht vertraut sind", sagt der 45-Jährige. So will er ihnen zum Beispiel die Literatur näherbringen, indem er ihnen zeigt, wie ein Buch entsteht - von der Idee zum Druck. Dabei wolle er geschichtliche Aspekte, wie den Buchdruck, wirtschaftliche Aspekt in Form von Papierpreisen und die Chemie bei der Auswahl von Farben und Oberflächen streifen. Am Schluss soll der Besuch eines Verlages stehen, um auch den administrativen Bereich kennenzulernen.

Auch Sylvia Dohrmann, Leiterin des Robert-Blum-Gymnasiums in Schöneberg, hat schon viele Ideen. Sie habe eine bunte Schule mit 33 Ethnien, die bereits bei einem Theaterprojekt mitmache, sagt die Schulleiterin. Um Bewegung im Raum und auf der Bühne solle es auch weiterhin gehen. Sie könnte sich aber auch vorstellen, dass sich die Schüler mit Architektur im Kiez beschäftigen.

"Mich reizt die Idee, Kinder für Dinge zu begeistern, die ihnen nicht vertraut sind"

Thanassis Kalaitzis, Kulturagent