Ernährung

Ein wachsames Auge auf Lebensmittel

Eine Handvoll großer Konzerne ist es, die über einen Großteil unserer Ernährung entscheidet und oft betont, wie hart umkämpft ihr Markt sei - in jüngster Zeit müssen die Unternehmen verstärkt Kritik von Verbraucherschützern hinnehmen.

Eine kleine politische Kraft in diesem Szenario ist seit einigen Jahren die Organisation "Foodwatch" geworden. Der Name ist analog zu Institutionen wie "Human Rights Watch" gebildet, der berühmten Menschenrechtsorganisation aus New York. "Watch" bedeutet "beobachten".

Foodwatch wurde gegründet von dem ehemaligen Greenpeace-Chef und Wirtschaftswissenschaftler Thilo Bode. Foodwatch beobachtet seit 2002 kritisch die Nahrungsmittelindustrie und gelangte damit in den vergangenen Jahren stark in den Focus der öffentlichen Wahrnehmung. Mehr als 20 000 Förderer hat der Verein derzeit, seine E-Mail-Aktionen gegen bestimmte Lebensmittel erreichen wesentlich mehr Verbraucher. An der Abstimmung über den Negativpreis "Goldener Windbeutel" nahmen immerhin fast 120 000 teil. Foodwatch hat sich etwa gegen versteckten Zucker in Getränken gewandt oder gegen überteuerte Konserven mit angeblich feinen, in Wirklichkeit aber ganz einfachen Zutaten.

Immer wieder war die Ernährung von Kleinkindern dabei ein Thema - vor drei Jahren kritisierte Foodwatch, dass Mineral- und Tafelwasser, das den Werbespruch "geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" trägt, in Deutschland dennoch teilweise mit Uran belastet ist.

Zurzeit fällt auf, dass ein sehr hoher Anteil der von Foodwatch kritisierten Methoden der Industrie sich auf Kinderlebensmittel bezieht. Etwa beim "Goldenen Windbeutel". Der ist ein Anti-Preis - etwas wie die "Goldene Himbeere", die parallel zum Oscar an besonders schlechte Filme verliehen wird. Fünf Produkte waren für den Goldenen Windbeutel 2011 nominiert - drei davon Kinderprodukte. Das Würstchen "Ferdi Fuchs", das seinen relativ hohen Salzgehalt dem Verbraucher verschweigt, war darunter und die "Nimm2"-Bonbons, die mit Slogans wie "Vitamine und Naschen" oder "mit wertvollen Vitamine" einen Eindruck erwecken können, dass sie besonders gesundheitsfördernd seien, obwohl es sich letztlich um eine Süßigkeit mit einem Zuckergehalt von weit über 50 Prozent handelt.

Den ersten Platz und damit den "Windbeutel 2011" erreichte die "Milchschnitte" von Ferrero. 51 000 Verbraucher wählten sie zur "dreistesten Werbelüge des Jahres" - so lautet nämlich die Idee des Anti-Preises. Die Kritiker vergleichen Milchschnitte mit einer Sahnetorte: Letztere enthalte rund 20 Prozent Zucker und 19 Prozent Fett, die Milchschnitte aber fast 30 Prozent Zucker und rund 28 Prozent Fett, rechnete Foodwatch vor. Trotzdem setze Ferrero etwa Sportler in der Werbung ein und lasse das Produkt als fitness-fördernd dastehen.

Ferrero antwortete der Berliner Morgenpost übrigens auf Nachfrage zu diesem Anti-Preis: Der Vergleich sei ungerecht, da man von einer Sahnetorte viel mehr esse als von einer Milchschnitte. Trotzdem stand vor einigen Wochen ein als Milchschnitte verkleideter Mitarbeiter von "Foodwatch" medienwirksam vor der Ferrerozentrale, um von einem Mitarbeiter hilflos abgewiesen zu werden. "Ich will das sein, was ich bin", klagte darauf der Kostümierte. "Eine süße, fettige Torte."

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